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Alle Jahre wieder – Sachsen, Transvestiten, Rassisten und Zigeuner

dasdie-veranstaltungsprogramm: samstag 12. 01. uwe steimle, 22 euro, samstag 12. 1. wintertravestie 53 euro mittwoch 16. 1. thilo sarrazin, 16 euro, donnerstag 17. 01. wintertravestie freitag 18. 01. der zigeunerbaronAm 25. Mai 2009 wurde Erfurt von der Bundesregierung als „Stadt der Vielfalt“ ausgezeichnet. Schön zu sehen, zum Beispiel auf den Bühnen des Wolfgang Staub.
Dieses Jahr die Gegenmobi gabs hier. Ob es nächstes Jahr auch wieder eine geben wird?

Sexuelle Codes. dokumentiert aus der Spunk, april 2002

Nonverbale Codes existieren viele. Menschen lächeln, verziehen ihr Gesicht oder sagen gar nichts, wenn eine Antwort nötig wäre.
In keinem Bereich ist aber die nonverbale Kommunikation der verbalen so überlegen wie der Sexualität. Hier ist der verbale Anteil so gering, daß Tips über ihre Anwendung ganzer Hefte Inhalt füllen: „Was Jungs wirklich denken“, „Wie du sagst, was du willst“ und „Ich trau mich nicht“ lauten so die Überschriften einschlägiger Publikationen.
Im Rahmen bekannter gesellschaftlicher Codes muß jedes Individuum, das sexuelle Wünsche hat, eine eigene, für sich passende Taktik im Laufe des Lebens entwickeln, doch an den ersehnten Spaß sexueller Lüste zu kommen.
Das ziemlich peinliche „Willst Du noch auf einen Kaffee mitraufkommen“ gilt als zu platt.
Das gilt qua bürgerlicher Vorstellung bis zur vollkommenen Durchdringung des Lebens.
Menschen trennen sich in Weiblein und Männlein, schminken sich, kaufen sich tolle Kleidung, verhalten sich möglichst attraktiv.
Und es ist genau die Ambivalenz der Taktik, die einerseits den Zwang hat(1), immer etwas zu verheimlichen, um nicht zu deutlich zu werden, die andererseits aber auch von vielen als Spaß machend empfunden wird (Flirten, zweideutige Blicke, …)
Jede Frage hingegen, die an eine Person des anderen Geschlechts gestellt, gar sexuelles Anliegen hat, wird somit sexualisiert. Das Interesse, eine Person anderen Geschlechts kennenzulernen, ohne Sex einzuschließen bzw. indem Sex explizit ausgeschlossen wird, wird dann als sexuelles Interesse umgedeutet. Die Frage „Wollen wir mal n Bier zusammen trinken?“ an eine Person anderen Geschlechts kann schon so zuviel werden(2). Der Person des gleichen Geschlechts wird mensch mit den Codes aber wohl nicht näher kommen und als „rein platonisch“ verstanden, weil sie vielleicht nicht erkannt werden oder von Heterosexualität als Norm ausgehen, denn Lust ist entweder heterosexuell oder sie ist es nicht.

Praxis

Was macht mensch nun, wenn mensch eine nette, bekannte oder auch unbekannte Person getroffen hat, die für eine Verabredung zum netten Plausch und Konsensfindung über sexuelle Vorlieben und anschließenden Praxisworkshop möglich erscheint? (3)
Ist das vergleichbar mit der Situation, wenn ich ein Mal mit x Volleyballspielen will oder auch länger und mit y nicht mehr oder nur mal gucken, wie es sich ergibt?
Ach, Quatsch, wir sind ja jetzt beim Hobby Sex und nicht Musik. Oder etwa doch? (4) (mehr…)

Was ist was? Kritische Theorie. aus der vertigo, dezember 2002

Die kritische Theorie:
Frankfurter Schule = Marx + Freud

Die Kritische Theorie ist die Theorie der „Frankfurter Schule“. 1924 hat sich eine Gruppe von Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen zusammen gefunden und mit freundlicher Unterstützung des sozialistischen Millionärs Felix Weil das Frankfurter Institut für Sozialforschung gegründet.
Ziel des Instituts war eine zeitgemäße Erweiterung der Gesellschaftstheorie von Karl Marx, bereichert um die neueren Erkenntnisse der Psychoanalyse. 1933 musste das Institut schließen und emigrierte zuerst nach Genf, später nach New York, wo frühe Studien über Antisemitismus und den „autoritären Charakter“ im bürgerlichen Staat entstanden. 1950 wurde das Institut in Frankfurt wiedergegründet.
Der Publikationen der Frankfurter Schule sind stark beeinflusst durch die Erfahrung des Nationalsozialismus und der Shoa, die gezeigt hat, wie hinter der Fassade der aufgeklärten bürgerlichen Welt „triumphales Unheil“ sich entwickeln kann.
Die prominentesten Vertreter der Frankfurter Schule sind Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Erich Fromm, Leo Löwenthal und Herbert Marcuse.

Eine kritische Theorie:
- Wissen ist im Kapitalismus eine Ware
- Politik schafft den Rahmen für Forschung
-> Wissenschaft ist nicht unabhängig von Gesellschaft
-> kritische Theorie kritisiert im Interesse von Emanzipation

Eine Kritische Theorie einer Gesellschaftstheorie, die sich in bestimmten Punkten von einer traditionellen Theorie abhebt.
Max Horkheimer hat 1936 entworfen, wie sich die beiden unterscheiden lassen.
Photograph taken in April 1964 by Jeremy J. Shapiro at the Max Weber-Soziologentag. Horkheimer is front left, Adorno front right, and Habermas is in the background, right, running his hand through his hair.Am Anfang steht für Horkheimer die Erkenntnis, dass Wissenschaft nicht unabhängig vom Gesellschaftlichen Zusammenhang funktioniert, sondern auf vielfältige Weise eingebunden ist: KeinE WissenschaftlerIn kann also behaupten, als AußenstehendeR auf die Welt zu blicken und ohne jede Befangenheit vom Untersuchungsgegenstand sprechen, als habe sie gar nichts damit zu tun. (Spätestens wenn das Geld für den nächsten Forschungsauftrag ausbleibt, wird sonnenklar, daß der vielzitierte „Elfenbeinturm“, also der Standpunkt außerhalb dessen, was betrachtet wird, nur Illusion ist.) (mehr…)

Viva la SPUNK – Vor zehn Jahren…

da gab es schon ne Weile verschiedene linksradikale Zeitschriften in Erfurt. Die bekannteste war wohl die „Spunk“, die jedesmal mit einem anderen Namen auf dem Titel veröffentlicht wurde. So richtige Zeitschriften zum Anfassen. DIY: zusammengebastelt, irgendwie selbst kopiert und zusammengeheftet. Ich habe mich immer gefreut, wenn auf einmal eine neue aufgetaucht ist.
ein foto mit zwei ausgaben der zeitschriften drauf. papier. hefte. selbst kopiert irgendwie und geheftet
In den nächsten Posts habe ich mal zwei Artikel von vor nun 10 Jahren in die Tastatur gehackt, damit die Texte nicht verloren gehen. Da ich keine Ahnung von Theorie und so habe, fand ich den ersten Artikel ziemlich gut, denn da wird erklärt, was kritische Theorie ist – verständlich erklärt! Das Foto habe ich jetzt mal dazu kopiert, so sieht mensch noch klarer, dass es hauptsächlich eine Theorie von Männern™ war. Und ist? Ja, Nein? Hm.
Der zweite Text über „sexuelle Codes“ ist heute noch genauso aktuell. Ist da denn überhaupt viel Theorie dazu gekommen? Nochmal hm. Nun gut, heute heißt es „sexuelles Skripting“. Den spannenden Workshop in Copenhagen habe ich leider dieses Jahr verpasst.
Als das besetzte Haus am Tag der Räumung plattgewalzt wurde, da waren auch einige Spunks darunter.
Kein vergeben! Kein vergessen!

Ohne Titel

Mal wieder in Jena unterwegs und hin ins „Volksbad“ – in Jena ist alles völkisch, das, wo Sarrazin vor ein paar Wochen gesprochen hat, heißt „Volkshaus“ – wo eine Podiumsdiskussion zum NSU stattfindet. NSU heißt jetzt nicht so wirklich Nabelschnur-Umschlingung oder Neckarsulm, wie bei der eine Bedeutung ziemlich krass ausblendenden die folgende Bedeutung meinenden, jedoch das nicht unbedingt erkennbar lassenden Mädchenmannschaft heute, sondern National-Sozialistischer-Untergrund. So nannten sich die Mörder, die in den vergangenen 12 Jahren mindestens 9 Menschen die sie für nicht deutsch genug hielten, ermordet haben.
Titel der Veranstaltung: „Verharmlosen, Verdrängen, Vertuschen. Rechter Terror: Das Versagen der Behörden und die Wut der Angehörigen.“ Am Anfang sah es so aus als diese wirklich mal im Blickpunkt stehen, als ein Video-Beitrag über die Familie eines der Ermordeten eingespielt wird. Wie sie von den Behörden und der von diesen gelenkten Presse selbst als Täter behandelt wurden. Keine Entschuldigung. Die Trauer, die nicht weggeht. Das immerwährende Dran-bleiben-müssen an einer Aufklärung der Geschichte. Doch nach Yavuz Narin, dem Anwalt der Familie von Theodoros Boulgarides, haben schnell die Politiker das Sagen. Auch wenn von Narin und Hajo Funke immer neue Fakten über die Zusammenarbeit der Behörden mit den Nazis genannt werden, weder die SPD-Person aus dem Bundes-Untersuchungsausschuss, noch der Thüringer Innenminister wollen natürlich den Verfassungsschutz abschaffen. Letzterer hat natürlich volles Vertrauen zu seinen Behörden. Der Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz ist zwar betroffen von den Taten der Nazis. Doch es sind natürlich die Anderen. In der Polizei selbst gibt es keine Nazis. Dann sitzt da noch Michael Buback und erzählt die ganze Zeit von der RAF damals. Am Schluss meint dann der Innenminister Geibert sinngemäß, dass er die Extremismusklausel (was das ist: mehr dazu hier) doch ganz gut findet. Und er sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat. Buback sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat. Und selbst der Anwalt der Familie Boulgarides sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat.
Dann ist die Aufzeichnung (online jetzt hier) beendet und es dürfen noch Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Geibert kann nicht so recht erklären, was ein V-Mann ist. Dann steht da plötzlich der Vater von einem der Mörder und sagt, dass der Verfassungsschutz abgeschafft werden muss.
Als sich noch mehrere kritische Nachfragen an den Innenminister richten, bricht der Moderator schnell die Veranstaltung ab.
Naja, was habe ich auch erwartet. Wenn es um „den Fokus der Opfer“ gehen soll, aber gleich zwei CDU-Politiker und eine SPD-Frau auf der Bühne sitzen, von sechs Leuten nur eine Person, die die Opfer vertritt.
Auf dem Nachhauseweg treffe ich Bea. Bea ist total bürgerlich und schon seit Jahren gegen Nazis engagiert. Einfach weil sie empört ist. Und heute ist sie wütend. Sie würde ihre Wut nie herausschreien, würde sie? Sie sagt: „Die wissen alle genau wie weit sie gehen können.“
Meine Wut kommt erst später. Ich bin allein damit und weiß nicht, wie ich sie ausdrücken kann.

ein foto mit den vom nsu ermordeten personen

08.12. Erfurt: Topf & Söhne – Besetzung auf einem Täterort – Lesung und Party

Das besetzte Haus in Erfurt ist nun schon vor dreieinhalb Jahren geräumt worden. Nun gibt es eine Broschüre, die beim graswurzel-verlag bestellt werden kann (12,90 €).
Abbildung des Buchtitels. Unter dem Titel ist ein Foto von der Hausfassade. In einem Fenster sitzen zwei Menschen und lassen die Beine heraus baumeln.„Die Hausbesetzung auf dem ehemaligen Gelände der Erfurter Firma Topf & Söhne, die in der Zeit des Nationalsozialismus Krematoriumsöfen für Konzentrations- und Vernichtungslager hergestellt hatte, war in den 2000er-Jahren eines der bekanntesten linksradikalen Projekte in Deutschland. Das Buch will die Erfahrungen dieser Zeit festhalten. Mit Erzählungen und Analysen rekonstruieren wir gemeinsame Kämpfe und interne Streitigkeiten, sprechen mit anderen Beteiligten über Ratten und Debatten und bieten dazu einen Überblick über die Hausbesetzer_innenszene der 1990er-Jahre in Erfurt und die historische Bedeutung der Firma Topf & Söhne.“
Erlebnisse, die sich tief eingebrannt haben. Auch bei mir: Wie ich das letzte Mal die Stufen von meinem Lieblingsplatz hinunterging und wußte, dass es das letzte Mal sein würde, dass ich es nie wieder sehen würde. Plenums, die von abends um sieben oder um acht bis nachts halb eins gingen. Rundgänge mit ein oder zwei Personen, die es noch nicht gesehen hatten, über das Geschichtsgelände. Der Verfall. Partys mit vollgekoksten „Das-darf-ich-hier-nicht-sagen.“-Mackern. Mein eigenes Versagen. Der Geruch. Schlafen, obwohl der Boden vom Techno-Gewummer zwei Etagen drunter bebt. Kälte, trotz zwei Schlafsäcken. Den Hof kehren. Sicherheit. Abenteuer, das von Bullen umstellte Gelände umgehen und sich durch die Schrottwüste hindurchschlagen. Schicke Antifas.
Naja und so weiter, jedenfalls gibt es eine Buchvorstellung und Releaseparty für die Broschüre:
„Am 08.12.2012, 20.00 Uhr, im Filler in der Schillerstraße 44 in Erfurt.
Es spielen mehrere, zum Teil mit dem Haus assoziierte Bands, dazu lesen verschiedene Autor_innen ihre Texte.
Es spielen [geupdatet]: Kenny Kenny Oh Oh, Failed Suicide Plan, Schachtelmund und DJ Creepy – elektro/electronica
Es lesen: Anna und Arthur

Der Hagen an der Kapitalismuskritik


Ein Hagen-Rether-Ticket.
Von jemensch an die Wand eines der Klos beim Gruftieschubsen (RW) (1) letzte Nacht geklebt.

Soviel kostet also die gute alte Kapitalismuskritik. 24 Euro.
Da ist Sarrazin billiger zu haben, nächsten Mittwoch in Gera und nächsten Donnerstag in Jena. Ca. 15 Euro.
Linksradikaler Protest? Fehlanzeige.
Antifa und Zivilgesellschaft sind sich einig:
„Dies ist ein normaler Vorgang in einer Demokratie.“ (Aktionsbündnis Gera, (2))
Deshalb gibt es in Gera auch keine Antifa mehr, oder?
Stattdessen bekommen Schüler eines Gymnasiums ermäßigte Eintrittskarten angeboten.
Aber auch in Jena wird dem demokratischen Aktionsnetzwerk (3) der Protest überlassen, während die gemäßigten Post-Antideutschen von der Antifa Task Force versuchen zu erklären, warum Sarrazin und seine Anhänger_innen keinen Rassismus verbreiten: „Vielmehr sollte man an dieser Stelle von Fremdenfeindlichkeit, Fremdenhass oder Xenophobie sprechen.“ (4)
Ach Deutschland, du bist mir fremd.

(1) RW heißt Redewendung
(2) https://www.facebook.com/pages/Aktionsb%C3%BCndnis-Gera-Gegen-Rechts/167463533345905
(3) http://jg-stadtmitte.de/2012/11/09/das-problem-heist-rassismus-kundgebung-gegen-die-lesung-von-sarrazin/
(4) http://atfjena.blogsport.eu/2012/11/07/redebeitrag-auf-der-demo-am-4-11/#more-728

Frauenquoten bei den Thüringer Piraten

Samstagmorgen in Eisenberg. Die Party gestern war lang. Kein Zweifel, ich brauche Kaffee.
Der Bäcker an der Straße hat zu. Also ein Spaziergang durch die graue Stadt. Im Einkaufscenter kostet der 1,30 €, ey gehts noch? Blödes Oligopol! (1) Die tolle neoliberale Marktwirtschaft funktioniert mal wieder nicht. Also laufe ich weiter. Da gab es doch noch einen Bäcker, wo ist der denn hin? In der Stadthalle ist aber was los. Richtig der Landesparteitag der Piraten. Kaffee? Kaffee? Kaffee? Ja, endlich. Für 50 Cent. Gemütlich hinsetzen.
Da vorne halten Menschen Reden, damit sie doch bitte für den Bundestag aufgestellt werden. Cool, ob das bei allen Parteien so ist? Es ist nämlich ganz einfach: Mensch nehme einfach einen Satzbaukasten, so wie auch beim Hartz-IV-Amt und reihe die Sätze beliebig aneinander. Fertig ist die Rede. „Die da oben regieren doch an den Bedürfnissen des Volkes vorbei.“ „Tierschutz ist mir eine Herzensangelegenheit“ „Transparenz ist wichtig.“ „Bitte gebt mir Euer Vertrauen.“ oder auch ein beliebter Kniff um Spontaneität zu verbreiten: „Ich hatte eigentlich eine Rede vorbereitet. Die lege ich jetzt mal beiseite.“ (2)
14 Leute reden da um auf den Listenplatz 1 zu kommen. Eine Frau ist darunter.
Frauenquote: 7 %
Da sieht es bei reproduktiven Tätigkeiten, also „typischer Frauenarbeit“ schon anders aus, z.B. am Infostand:
Frauenquote: 25 – 33 %
oder natürlich bei der Essensausgabe:
Frauenquote: 25 – 33 – 40 %
Owei, schnell zurück durch die Stadt zur besten VoKü Thüringens.
Fisch, vegan:
ein Bild mit nem Teller mit Kartoffelbällchen, Tomatenscheiben und Fisch der auf nem riesigen Salatblatt liegt
:-)
Nahaufnahme des veganen Fischs, irgendwas ziemlich festes Fleischersatzmäßiges umrandet mit Algenblättern und auch noch Soße mit Kräutern
:-) :-)
(1) Oligopol = was, wo es nur ein paar Anbieter gibt (wenn es nur einen gibt: Monopol) und der tolle Wettbewerb nicht mehr so richtig funktioniert wegen Preisabsprachen etc. z.b. auch Tankstellen.
(2) sinngemäße, keine wörtlichen Zitate.

Kaffeetrinken bei Oma

Oma Gudrun: „Pass auf dich auf! Es kann dir so viel passieren. Die Welt heute ist so schlecht.“
Enkel_in Kinky: „War sie denn früher besser?!?“
Oma Gudrun: „Da war sie auch schlecht. Aber nicht so schlecht wie heute. Es ist schlimmer geworden. Ich glaube, das liegt daran, dass so viel durcheinander ist. Es wäre besser, wenn jedes Land für sich wäre und auch sein eigenes Geld hätte. Es sind so viele Ausländer hier. Meinetwegen können sie ja hier sein, wenn sie richtig verfolgt werden in ihrem Land. Aber nicht so viele. Viele kommen, um uns hier auszunutzen.“
Enkel_in Kinky: „Wo gibt es denn hier viele Ausländer?!“
(Wir befinden uns im dritten Stock einer Plattenbauwohnung in Thüringen, wo der „Ausländeranteil“ wieviel? ein oder zwei Prozent beträgt.)
Oma Gudrun: „Doch es gibt sehr viele. Das sehe ich auch immer beim Einkaufen. Es rennen so viele schlimme Gestalten hier rum, die Böses im Schilde führen.“
Enkel_in Kinky: „Woher weißt du das denn?“
Oma Gudrun: „Das sieht man ihnen doch an!“

Solche krassen Sprüche hat sie früher nicht gebracht. Angesichts der Statistiken hier zwei Beiträge weiter unten im Blog (thueringenmonitor2011_auslaender.jpg):
Wie viele Leute freuen sich gerade eigentlich, dass die Nazis, die jetzt überall in den Nachrichten sind, mordend durch die Gegend gezogen sind? Die Nazis als Elite der Gesellschaft, die nur ein wenig konsequenter das ausführen, was die Mehrheit der Leute eh denkt?
Oder war das, was sie gemacht haben, doch zu schlimm, zu aufsehenerregend, zu blutig – also schmutzig, nicht sauber genug? Thüringen hat ja schließlich auch seine Image-Kampagne gestoppt. Die Morde, ein „schwerer Imageschaden für das Land.“

Erwartungen


„Bauer sucht Frau“, RTL, 14.11.2011