Archiv der Kategorie 'Sexistische Kackscheiße'

Frauenquoten bei den Thüringer Piraten

Samstagmorgen in Eisenberg. Die Party gestern war lang. Kein Zweifel, ich brauche Kaffee.
Der Bäcker an der Straße hat zu. Also ein Spaziergang durch die graue Stadt. Im Einkaufscenter kostet der 1,30 €, ey gehts noch? Blödes Oligopol! (1) Die tolle neoliberale Marktwirtschaft funktioniert mal wieder nicht. Also laufe ich weiter. Da gab es doch noch einen Bäcker, wo ist der denn hin? In der Stadthalle ist aber was los. Richtig der Landesparteitag der Piraten. Kaffee? Kaffee? Kaffee? Ja, endlich. Für 50 Cent. Gemütlich hinsetzen.
Da vorne halten Menschen Reden, damit sie doch bitte für den Bundestag aufgestellt werden. Cool, ob das bei allen Parteien so ist? Es ist nämlich ganz einfach: Mensch nehme einfach einen Satzbaukasten, so wie auch beim Hartz-IV-Amt und reihe die Sätze beliebig aneinander. Fertig ist die Rede. „Die da oben regieren doch an den Bedürfnissen des Volkes vorbei.“ „Tierschutz ist mir eine Herzensangelegenheit“ „Transparenz ist wichtig.“ „Bitte gebt mir Euer Vertrauen.“ oder auch ein beliebter Kniff um Spontaneität zu verbreiten: „Ich hatte eigentlich eine Rede vorbereitet. Die lege ich jetzt mal beiseite.“ (2)
14 Leute reden da um auf den Listenplatz 1 zu kommen. Eine Frau ist darunter.
Frauenquote: 7 %
Da sieht es bei reproduktiven Tätigkeiten, also „typischer Frauenarbeit“ schon anders aus, z.B. am Infostand:
Frauenquote: 25 – 33 %
oder natürlich bei der Essensausgabe:
Frauenquote: 25 – 33 – 40 %
Owei, schnell zurück durch die Stadt zur besten VoKü Thüringens.
Fisch, vegan:
ein Bild mit nem Teller mit Kartoffelbällchen, Tomatenscheiben und Fisch der auf nem riesigen Salatblatt liegt
:-)
Nahaufnahme des veganen Fischs, irgendwas ziemlich festes Fleischersatzmäßiges umrandet mit Algenblättern und auch noch Soße mit Kräutern
:-) :-)
(1) Oligopol = was, wo es nur ein paar Anbieter gibt (wenn es nur einen gibt: Monopol) und der tolle Wettbewerb nicht mehr so richtig funktioniert wegen Preisabsprachen etc. z.b. auch Tankstellen.
(2) sinngemäße, keine wörtlichen Zitate.

Erwartungen


„Bauer sucht Frau“, RTL, 14.11.2011

Sexismus in der Lindenstraße vs. Thüringen-Monitor 2011

Seit ich im Frühling 2010 in einer Erfurter WG regelmäßig gezwungen wurde, die Lindenstrasse zu sehen, vefolge ich die Serie. Muss wissen wie es weitergeht oder wie es erzählt wird. Ein ziemlicher Bruch war im Januar 2011 die Hereinnahme des „Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ namens Orkan in die Serie. Abgesehen von dem rassistischen Klischee, dass er kriminell und gewalttätig ist, ist er natürlich auch noch homophob, was aber nur in seiner Premieren-Folge gezeigt wird:

Paul (links) bekommt von Orkan erklärt:
„Fußball find ich voll schwul. Richtige Männer spielen Basketball.“

(Folge 1310 „Orkan“ 09.01.2011)
Die Stereotype in der Serie haben eh gerade mal wieder Hochkonjunktur. Beispielsweise in den letzten Wochenenden, wo es für die „Deutsch-Italienerin“ Sabrina das „Allerschlimmste ist“, dass ihr „deutscher“ Mann Hajo seine demenzkranke Mutter in ein Pflegeheim einmieten will. Weil für alle Italiener_innen natürlich die Familie das wichtigste ist!
Zurück zu Orkan: Dieser wird ganz klar als negative Figur aufgebaut. Nachdem er dem urdeutschen Andi Zenker ein Bierglas in die Fresse geschlagen hat, hält ihm sein quasi-erziehungsberechtigtes Vorbild Murat eine Standpauke wie sie auch von RTL-Jugendwerkhofsleiter Sonnenburg sein könnte:

VIDEO

(Folge 1317 „Bierglas-Schläger“ 27.02.2011)
„Dann bist Du gefickt.“ Sexistische Kackscheiße. In der heteronormativen Matrix wird der aktive Part (zu ficken) beim Sex nie als entwürdigend hingestellt, während der passive Part (gefickt werden) als Opfer, Schwächling, Schwuler, Mädchen gilt. Aktiv heißt Macht und Gewalt ausüben, Passiv heißt, Macht- und Gewaltausübung erdulden zu müssen. Das „gewaltsam“ ist nicht unbedingt zwingend, es gibt auch Leute, die sich freiwillig zur Frau machen lassen. Das sind dann die verhassten „Schwuchteln“. Orkan soll ein richtiger Mann sein, nicht schwach und passiv also verweiblicht. (Musste ich jetzt nicht selbst begründen, war frei nach maedchenblog und veganfeminist.)
Naja und die Zuschauer_innen, die sich im Forum auf lindenstrasse.de zu der Szene äußern, sind ausnahmslos begeistert:
zum Beispiel Frannie: „die letzten Worte von Murat fand ich richtig klasse.“ sowie Diavolezza: „Super, wie Murat Orkan zum Schluss den Kopf zurechtrückte und ihm klar sagte, was Sache ist“ oder uwe: „Murat ist der Held der Folge: Die letzte Szene, wo er Orkan klarmacht, daß er sein Leben ändern muß, denn ’sonst bist du ge**ckt‘, war authentisch und spannend!“ hem2613 schreibt: „‚dann bist du Ge**ckt‘… Besser kann man es nicht ausdrücken.“ und engel3107 stimmt zu: „murats letzter satz einfach nur zu geil… solche wörter in unserer lindenstraße… herrlich!!!“ Für Jeannie71 war „Murats ‚Ansprache‘“ ein „Highlight“ und Alice hat sogar „Gänsehaut bei Murats Ansprache.“
Jetzt Monate danach wird ein „Musikvideo“ ins Netz gestellt ( http://www.youtube.com/watch?v=VNqRH7rq3II ) mit positiven Bezug darauf und damit klar der Rahmen der Serie verlassen. Und so ne sexistische Scheiße reproduziert, reproduziert und reproduziert, sowie nach außen propagiert.
Achso die Ansprache von Murat passt ja zur repräsentativen Befragung zur politischen Kultur im Freistaat Thüringen, dem Thüringen-Monitor (download: thueringen.de/…thueringen-monitor_2011.pdf, 1,9 MB). Ganz im realen Leben.

Da würde er auch trotzdem den Hass der richtigen Deutschen Thüringer abkriegen. Lust zu Kotzen? Hier, bitte:

Aber hier leben? Nein Danke!
Wenn mensch es sich aussuchen kann.?.?.? Hm.
Einziger Lichtblick: Chaoten-Katholiken!

Und vielleicht doch mal wieder demonstrieren gehen:

Ohne Worte

Gesehen am Osterstrauß bei meinen Eltern

Automesse Kackstadt: Die Thüringer Allgemeine und Sexismus gehören seit jeher zusammen

TA-Schreiberling Maik Ehrlich:

Am Sonntag steht die Wahl des Tuning Babes auf dem Programm. Denn schließlich gehören seit jeher Frauen und Autos irgendwie zusammen. (1)

Ein Allgemeinplatz, den jede_r nachzuplappern scheint, wie die Moderatorin der Messe, Romy Willuhn:

„Zu Autos gehören natürlich auch schöne Mädchen.“ (2)

Naja und zu der obligatorischen Misswahl scheinbar auch eine sabbernde Männerjury.
Quellen: (1) http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/detail/-/specific/4-Automobilmesse-hat-in-Erfurt-begonnen-1202997729 (2) http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/detail/-/specific/23-jaehrige-Erfurterin-ist-Tuning-Babe-2011-1515838155

Die zweigeschlechtliche Matrix in 222 Jahren

Vor kurzem war ich in einem einsamen Bergdorf bei einer Seminarwoche. Was während der Abende die Auswahl an Alkohol anbelangte – da blieben keine Wünsche offen. Es gab sogar mehrere Sorten Wodka! Die Auswahl an Filmen hingegen war eher rar. Und nix mit Internet, weil einsames Bergdorf und so. Also war ich gezwungen, entweder „Star Trek 11″ mit anzusehen oder draußen in der Kälte zu erfrieren. Und da hab ich echt die dümmste Konstruktion aller Zeiten von Geschlecht gesehen. Der Film spielt zu Beginn im 22. Jahrhundert im Geburtsjahr von Captain Kirk. Ein riesiges romulanisches Raumschiff namens Narada greift das kleine Förderationsraumschiff USS Kelvin mit seinen Eltern an Bord an. Dieses wird evakuiert, doch der Kommandant, George Kirk, bleibt allein an Bord um voller Heldenmut mit dem Raumschiff das feindliche zu rammen und damit den anderen in den Rettungskapseln die Flucht zu ermöglichen. Darunter Winona Kirk, die gerade dabei ist, ihr Kind zu gebären. Während ihr Ehemann sich gerade in seinen Tod hineinmanövriert, sind die beiden über Sprechfunk miteinander in Kontakt:

[Bridge] GEORGE KIRK: Sweetheart, listen to me.

[Shuttle] GEORGE KIRK: (over comm) I‘m not going to be there.
WINONA: No.

[Bridge] GEORGE KIRK: This is the only way you‘ll survive.

[Shuttle] WINONA KIRK: Please, don‘t stay on the ship. You have to be here.

[Bridge] GEORGE KIRK: The shuttles will never make it if I don‘t fight them off.

[Shuttle] WINONA KIRK: George, I can‘t do this without you.
DOCTOR: Okay, I need you to push now.
WINONA KIRK: Aghh!

(Big musical overture as George prepares to ram the Narada and destroys a torpedo from destroying the shuttle, while Winona gives birth)
[Bridge]
BABY: (crying, over comm)

[Shuttle] BABY: (crying as he’s handed to Winona)

[Bridge] GEORGE KIRK: What is it?

[Shuttle] WINONA KIRK: It’s a boy.

[Bridge] GEORGE KIRK: A boy!

O ja!!! In den Tod rasen, aber keine anderen Probleme haben, als ob das Kind entweder Junge oder Mädchen ist. Und ihm einen Namen geben. In der Zukunft scheint es auch genau zwei Geschlechter zu geben. Und wenn es ein Mädchen gewesen wäre, hätte er dann auch gesagt: „A girl!“? Oder hätte sie ihn über Sprechfunk angelogen und gesagt: „A boy!“. Sehr gut möglich in dieser heterosexistischen Gesellschaft des Jahres 2233.