Archiv der Kategorie 'Politix'

Kaffeetrinken bei Oma

Oma Gudrun: „Pass auf dich auf! Es kann dir so viel passieren. Die Welt heute ist so schlecht.“
Enkel_in Kinky: „War sie denn früher besser?!?“
Oma Gudrun: „Da war sie auch schlecht. Aber nicht so schlecht wie heute. Es ist schlimmer geworden. Ich glaube, das liegt daran, dass so viel durcheinander ist. Es wäre besser, wenn jedes Land für sich wäre und auch sein eigenes Geld hätte. Es sind so viele Ausländer hier. Meinetwegen können sie ja hier sein, wenn sie richtig verfolgt werden in ihrem Land. Aber nicht so viele. Viele kommen, um uns hier auszunutzen.“
Enkel_in Kinky: „Wo gibt es denn hier viele Ausländer?!“
(Wir befinden uns im dritten Stock einer Plattenbauwohnung in Thüringen, wo der „Ausländeranteil“ wieviel? ein oder zwei Prozent beträgt.)
Oma Gudrun: „Doch es gibt sehr viele. Das sehe ich auch immer beim Einkaufen. Es rennen so viele schlimme Gestalten hier rum, die Böses im Schilde führen.“
Enkel_in Kinky: „Woher weißt du das denn?“
Oma Gudrun: „Das sieht man ihnen doch an!“

Solche krassen Sprüche hat sie früher nicht gebracht. Angesichts der Statistiken hier zwei Beiträge weiter unten im Blog (thueringenmonitor2011_auslaender.jpg):
Wie viele Leute freuen sich gerade eigentlich, dass die Nazis, die jetzt überall in den Nachrichten sind, mordend durch die Gegend gezogen sind? Die Nazis als Elite der Gesellschaft, die nur ein wenig konsequenter das ausführen, was die Mehrheit der Leute eh denkt?
Oder war das, was sie gemacht haben, doch zu schlimm, zu aufsehenerregend, zu blutig – also schmutzig, nicht sauber genug? Thüringen hat ja schließlich auch seine Image-Kampagne gestoppt. Die Morde, ein „schwerer Imageschaden für das Land.“

Sexismus in der Lindenstraße vs. Thüringen-Monitor 2011

Seit ich im Frühling 2010 in einer Erfurter WG regelmäßig gezwungen wurde, die Lindenstrasse zu sehen, vefolge ich die Serie. Muss wissen wie es weitergeht oder wie es erzählt wird. Ein ziemlicher Bruch war im Januar 2011 die Hereinnahme des „Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ namens Orkan in die Serie. Abgesehen von dem rassistischen Klischee, dass er kriminell und gewalttätig ist, ist er natürlich auch noch homophob, was aber nur in seiner Premieren-Folge gezeigt wird:

Paul (links) bekommt von Orkan erklärt:
„Fußball find ich voll schwul. Richtige Männer spielen Basketball.“

(Folge 1310 „Orkan“ 09.01.2011)
Die Stereotype in der Serie haben eh gerade mal wieder Hochkonjunktur. Beispielsweise in den letzten Wochenenden, wo es für die „Deutsch-Italienerin“ Sabrina das „Allerschlimmste ist“, dass ihr „deutscher“ Mann Hajo seine demenzkranke Mutter in ein Pflegeheim einmieten will. Weil für alle Italiener_innen natürlich die Familie das wichtigste ist!
Zurück zu Orkan: Dieser wird ganz klar als negative Figur aufgebaut. Nachdem er dem urdeutschen Andi Zenker ein Bierglas in die Fresse geschlagen hat, hält ihm sein quasi-erziehungsberechtigtes Vorbild Murat eine Standpauke wie sie auch von RTL-Jugendwerkhofsleiter Sonnenburg sein könnte:

VIDEO

(Folge 1317 „Bierglas-Schläger“ 27.02.2011)
„Dann bist Du gefickt.“ Sexistische Kackscheiße. In der heteronormativen Matrix wird der aktive Part (zu ficken) beim Sex nie als entwürdigend hingestellt, während der passive Part (gefickt werden) als Opfer, Schwächling, Schwuler, Mädchen gilt. Aktiv heißt Macht und Gewalt ausüben, Passiv heißt, Macht- und Gewaltausübung erdulden zu müssen. Das „gewaltsam“ ist nicht unbedingt zwingend, es gibt auch Leute, die sich freiwillig zur Frau machen lassen. Das sind dann die verhassten „Schwuchteln“. Orkan soll ein richtiger Mann sein, nicht schwach und passiv also verweiblicht. (Musste ich jetzt nicht selbst begründen, war frei nach maedchenblog und veganfeminist.)
Naja und die Zuschauer_innen, die sich im Forum auf lindenstrasse.de zu der Szene äußern, sind ausnahmslos begeistert:
zum Beispiel Frannie: „die letzten Worte von Murat fand ich richtig klasse.“ sowie Diavolezza: „Super, wie Murat Orkan zum Schluss den Kopf zurechtrückte und ihm klar sagte, was Sache ist“ oder uwe: „Murat ist der Held der Folge: Die letzte Szene, wo er Orkan klarmacht, daß er sein Leben ändern muß, denn ’sonst bist du ge**ckt‘, war authentisch und spannend!“ hem2613 schreibt: „‚dann bist du Ge**ckt‘… Besser kann man es nicht ausdrücken.“ und engel3107 stimmt zu: „murats letzter satz einfach nur zu geil… solche wörter in unserer lindenstraße… herrlich!!!“ Für Jeannie71 war „Murats ‚Ansprache‘“ ein „Highlight“ und Alice hat sogar „Gänsehaut bei Murats Ansprache.“
Jetzt Monate danach wird ein „Musikvideo“ ins Netz gestellt ( http://www.youtube.com/watch?v=VNqRH7rq3II ) mit positiven Bezug darauf und damit klar der Rahmen der Serie verlassen. Und so ne sexistische Scheiße reproduziert, reproduziert und reproduziert, sowie nach außen propagiert.
Achso die Ansprache von Murat passt ja zur repräsentativen Befragung zur politischen Kultur im Freistaat Thüringen, dem Thüringen-Monitor (download: thueringen.de/…thueringen-monitor_2011.pdf, 1,9 MB). Ganz im realen Leben.

Da würde er auch trotzdem den Hass der richtigen Deutschen Thüringer abkriegen. Lust zu Kotzen? Hier, bitte:

Aber hier leben? Nein Danke!
Wenn mensch es sich aussuchen kann.?.?.? Hm.
Einziger Lichtblick: Chaoten-Katholiken!

Und vielleicht doch mal wieder demonstrieren gehen:

Nur in Jena! Studieren ohne Assis. Danke Stura!

Uni Jena, Semsterbeginn – Zeit für die Wohnungssuche. Wie gut, dass die extra aufgelegte Broschüre des Stura Jena darauf hinweist, wie wohnlich doch das studentische Leben im Plattenbau ist. Diese sind mit positiven Standortbezug dank der Elite von morgen nämlich schon gereinigt von „Bettlern, Landstreichern, Obdachlosen, Prostituierten, Zuhältern, Fürsorgeempfängern, Suchtkranken (z. B. Alkoholikern), Homosexuellen, Zigeunern und andere Unangepassten“ (so der Inhalt bis heute des Begriffes der Asozialen (wikipedia)).

Vor 50 Jahren…


Aus dem Buch: „Die Frau“, VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig, 1961

Deutschland als moralische Supermacht.
Erfurt das Zentrum.
Mittel: Der Erinnerungsort auf dem Topf & Söhne-Gelände

Form: Bereinigung des Geländes
Martialische Räumung des Besetzten Hauses im April 2009. Nach dem Abriss aller – außer des Verwaltungsgebäudes – historischen Gebäude auf dem Topf- und Söhne-Gelände wurden Einkaufsmärkte, Parkplätze und im Verwaltungsgebäude der Erinnerungsort errichtet. Preisgekrönt versteht sich:

Architekturpreis für Erfurter Erinnerungsort „Topf & Söhne“.
Gold gab es für die Gestaltung des Erinnerungsortes auf dem Gelände des Krematoriumsherstellers für Auschwitz.[1]

Inhalt: Bereinigung der Vergangenheit
Kapitalismus, was sonst?

Nach der Räumung des Besetzten Hauses wurde das Gelände der kapitalistischen Verwertung wieder überantwortet. Dass dies mittels Fressnapf, Drive-Bäckerei oder Eigentumswohnungen realisiert wird liegt klar auf der Hand. Doch wie lässt sich aus dem Verwaltungsgebäude mit der Ausstellung, die keinen Eintritt kostet, Gewinn erzielen? Als praktischer Werbeträger für die Stadt Erfurt, mehr noch für die Stadt Erfurt in Deutschland.

Vorspiel: Die Wanderausstellung Topf & Söhne
Die Ausstellung war vorher schon auf Europa-Tournee. Ziel?

„Die Ausstellung trägt dazu bei, im Ausland zu zeigen, dass Deutschland mit seiner Vergangenheit kritisch umgeht“[2]

so Ausstellungsleiterin Annegret Schüle im März 2010. Oder wie Stadtmuseumsdirektor Hardy Eidam sagte:

die Stadt Erfurt könne nicht nur mit goldenen und glänzenden Dingen aus der Geschichte zu einem guten Image beitragen.[3]

Deutschland in den 1990ern: Krieg führen nicht trotz Auschwitz, sondern wegen Auschwitz! Erfurt 2010: Deutschlands hat ein gutes Image nicht trotz Auschwitz, sondern wegen Auschwitz. Natürlich wegen seines vorbildlichen Umgangs damit.
Damit will ich nicht sagen, dass die Ausstellung per se blöd ist, die Ziele die damit propagiert werden sind es.

August 2011: Deutschland als moralische Supermacht.
Erfurt das Zentrum.

Am 13. August weiß die Thüringer Allgemeine zu berichten:

15 muslimische Studierende, die am Sommerkurs „Muslims in the West“ der Universität Erfurt teilnehmen, erfuhren am Erinnerungsort im Sorbenweg gestern aber nicht nur etwas über den Anteil der Erfurter Ingenieure am Holocaust.
Daberstedt. „Sie erfahren hier auch, wie offen und kritisch in Deutschland mit der schrecklichen Vergangenheit umgeht“, sagt Professor Jamal Malik vom Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Universität, der die Summer School organisiert hat, zum inzwischen zehnten Mal.

„Damit ändern wir ihr Leben radikal“, ist Malik sich sicher. Denn in vielen ihrer Herkunftsländer – Indien, Bangladesh, Pakistan, Türkei oder Bosnien – wurden oder werden ethnische Gruppen wenigstens ausgegrenzt oder gar ausgelöscht. Und dieses Thema im eigenen Land tabuisiert. Da könnten Deutschland und Erfurt Vorbild sein für einen offeneren Umgang, glaubt Malik, der mit den Studierenden auch Buchenwald besuchte. „Sie kehren selbstkritischer zurück, dies ist ein zentraler Punkt in ihrem Leben“, ist der Professor sich sicher.[4]

Es wird nicht nur ein Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheit gezogen, das Tätervolk wird nicht nur zu einer geläuterten Nation, nein vielmehr es wird zu einer Vorbildnation, zu einer moralischen Supermacht. Den dummen Moslems wird mal überlegen gelehrig gezeigt, was Demokratie ist! Das ganze in einem Bundesland, wo Flüchtlinge mit Zahnschmerzen nicht behandelt, sondern ihnen die Zähne gezogen werden.[5] Werden in und durch Deutschland Menschen wenigstens ausgegrenzt oder gar ausgelöscht? Nein, keine Angst, es gibt keine Flüchtlinge in Lagern, denen Gutscheine zugeteilt werden und Flüchtlinge im Mittelmeer sterben auch nicht dank deutscher Unterstützung. Alltäglicher Rassismus, Antiziganismus, Abschiebungen, Antisemitismus und Arbeitswahn? Gibt es hier nicht. Besonders natürlich nicht in Erfurt!

Quellen:
[1] Thüriger Allgemeine vom 20.07.2011, http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Architekturpreis-fuer-Erfurter-Erinnerungsort-Topf-Soehne-128790061
[2] Thüringische Landeszeitung, 03.03.2010 http://www.topf.squat.net/texte/presse/2010_03_03_tlz.html
[3] zitiert nach ebd.
[4] Thüriger Allgemeine vom 13.08.2011, http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/detail/-/specific/Muslimische-Studenten-bei-Topf-Soehne-302242265
[5] Thüringer Flüchtlingsrat 27.07.2011, http://www.fluechtlingsrat-thr.de/index.php/presse/361-zaehne-ziehen-statt-behandeln; Thüringer Allgemeine 28.07.2011, http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Zaehne-von-Asylanten-werden-gezogen-und-nicht-behandelt-666678436

Thüringer Verfassungsschutzbericht 2010 veröffentlicht – The X-files

Herunterladen kann mensch den hier: http://www.thueringen.de/imperia/md/content/verfassungsschutz/pressefassung.pdf, 484 kb. Aber mal das wichtigste zusammengefasst: Highlight sind die genauen Aussagen dazu wieviele Rechts- und Linkks-Extremisten es im Bund gibt:

Bundesweit stieg die Zahl der Neonazis erneut auf nunmehr X.XXX (2009: 5.000) Personen an. (S. 32)

Bundesweit umfasst das Potenzial der revolutionären Marxisten etwa XX.XXX Anhänger. Hinzu kommen ca. X.XXX Personen, die der gewaltbereiten linksextremistischen Szene zugerechnet werden. Ihr gehören auch etwa X.XXX Autonome an. (S.56)

Extremisten? Ja! Demokratische Mitte und extreme Ränder. Ablehnungen des Extremismusbegriffs als

Rechtfertigungsversuche des linksextremistischen Spektrums dürften allem Befürchtungen sein, ausgegrenzt zu werden und ggf. Bündnispartner zu verlieren. (S. 65)

Was gibt es Neues? Die Nazis sind weiter mit ihrer Graswurzelarbeit beschäftigt. Ich dachte zwar immer, das wäre etwas anderes, aber der Thüringer Verfassungsschutz erklärt die Bedeutung des Begriffes „Graswurzelarbeit“:

Bestrebungen von Rechtsextremisten, mit alltagsnaher Themenwahl und einem seriös-zivilen Auftreten zum integralen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens zu werden. (S. 21)

Das muss mensch sich dann wohl genau so vorstellen, wie der VS über die DVU zu berichten weiß:

eigenen Verlautbarungen zufolge [wurde] am 8. März u. a. ein Werbeblatt „DVU – Dem Volk die Erleuchtung bringen“ und Glühlampen vor einem Einkaufszentrum verteilt. (S. 27)

Hahaha. Und womit haben sich die bösen Hausbesetzer_innen beschäftigt?
Hiermit:

Unter dem Motto „Hände hoch – Haus her“ beteiligten sich am 2. Januar etwa 200 Personen an einer Demonstration in Erfurt. Aus der Demonstration heraus wurden Feuerwerkskörper gezündet, Einsatzkräfte mit Schneebällen und Apfelsinen beworfen sowie mit Pfefferspray besprüht. (S. 66)

Schon klar.

Was in Erfurt so alles verboten ist

Alle paar Jahre mache ich es mir in der Badewanne gemütlich. Gestern war es wieder soweit. Dabei habe ich aber den Fehler gemacht, nicht wie sonst eine von den vielen „Die drei ???“-Kassetten einzulegen, nein es lief die Podiumsdiskussion „Braucht es heute noch Widerstand und Rebellion?“ (Download, hier, mp3, ca 60 mb) aus dem Theater Erfurt von vorgestern. Anlass war die Aufführung der Oper „Robin Hood“. Bei der Diskussion mitgespielt haben Vizebürgermeisterin Tamara Thierbach, CDU-Stadtrat Thomas Hutt, die „ehemaligen Hausbesetzer“ Pascal und Christian und Johannes Smettan. Die Linke Tamara Thierbach forderte ein Recht auf Arbeit. Ich sprang nicht aus dem Wasser und ruinierte vor Nässe triefend das Notebook, indem ich die Aufnahme stoppte. Immerhin forderte Christian dann das „Recht auf Faulheit“. Aber dann kommt Regisseur Jürgen R. Weber und behauptet, kurz bevor er die Hausbesetzer_innen mit den Roten Khmer in einen Topf wirft:

„Das interessante ist ja, dass man im Moment auch nicht arbeiten muss. […] Du hast hier total das Recht, die Flaschen abends aus dem Mülleimer zu holen und davon zu leben!“

Auch das ist völliger Unsinn und einfach falsch. Ein Blick in die „Ordnungsbehördliche Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Landeshauptstadt Erfurt (Stadtordnung) vom 16. Mai 2003“ (download: hier, pdf) hilft da weiter.

§ 4 Abfallbehälter
(2) Abfallbehälter aller Art, Sammelbehälter zur Rückgewinnung von Rohstoffen und Behältnisse von Streugut dürfen nicht durchsucht, Gegenstände daraus nicht entnommen oder verstreut werden.
[…]
§ 15 Ordnungswidrigkeiten
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 50 ThürOBG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig
7. entgegen § 4 Abs. 2 die dort genannten Behälter durchsucht oder aus ihnen Gegenstände entnimmt oder verstreut,
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann gem. § 51 ThürOBG mit einer Geldbuße bis zu 5000,00 Euro geahndet werden.

Jetzt könnte mensch ja auf die Idee kommen, die leeren Flaschen neben dem Mülleimern abzustellen, damit die Flaschensammler_innen diese nicht durchwühlen müssen. Ne ne, das ist auch VERBOTEN und wird als Ordnungswidrigkeit ebenfalls mit einer Geldbuße bis 5000 Euro bestraft. Kackstadt.
Na gut, immerhin hat die Polizei gerade wichtigeres zu tun. Das wichtigste Thema des Tages ist, wer den Polizeieinsatz beim Papstbesuch im September leiten darf. Wird es vielleicht Jürgen Loyen?

SoKo-Leiter bei den Mafiamord-Prozessen, Räumung Besetztes Haus, Neonazi-Demonstrationen, Krawall-Fußballspiele, Bandidos-Prozesse und die Sendung „Wetten dass?“ – Loyen gilt als erfahren bei Großeinsätzen. Ob der 46-Jährige für die Sicherheit des Heiligen Vaters und der erwarteten 100.000 Gläubigen sorgen wird, ist noch nicht entschieden. Es heißt, es liegen mehrere Bewerbungen vor. Es geht um Prestige und Politik.


Quelle: http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Sicherheit-fuer-den-Papst-in-Erfurt-1303572633

Warum es keine Kennzeichnungspflicht für Polizist_innen in Thüringen gibt

bild via afty, via titanic

Am Freitag wurde eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamt_innen im Thüringer Landtag abgelehnt. Nicht einfach so, sondern mit einer Vielzahl von guten Gründen:
• Die Innenministerkonferenz macht das auch nicht so. (Gentzel (SPD), Fiedler (CDU))
• Die Gewerkschaft der Polizei ist auch dagegen. (Gentzel (SPD), Huber (CDU))
• Laut Heiko Gentzel (SPD) gibt es eine Umfrage des Leipziger Instituts für Marktforschung zu Vertrauen in Institutionen:

„Mit einem überragenden Ergebnis, nämlich mit einem Vertrauenszuschuss von 82 % steht dort die Polizei.“

• Wolfgang Fiedler (CDU):

„Wenn wir die einzelnen hier noch an Pranger stellen wollen, müssen wirs machen. Wir wollen das nicht.“

• Wolfgang Fiedler (CDU):

„Damit unsere Polizei hier nicht im Regen stehen bleibt.“

• Wegen des schwierigen Polizeieinsatzes beim Castortransport, der von fiesen Journalist_innen begleitet wurde. Wolfgang Fiedler (CDU):

„Die Polizisten (..), sie haben davon berichtet, dass es teilweise – und keine Schelte an alle Journalisten – so weit ging, dass man Polizisten die Beine gestellt hat um dann ein richtiges Bild zu kriegen. O-ton berichtet worden! O-ton berichtet worden!“

• Innenminister Huber (CDU): Zum

„Schutz der Einsatzkräfte“

und

„ihrer Familien“.

Außerdem weiß er zu berichten, dass während des Castortransports in einem Camp Bilder von Polizisten mit dem Kommentar „Wanted!“ hingen.

Thüringer Medien zur Castor-Scheiße

Der Infoladen Sabotnik hat jetzt einen lesenswerten Reisebericht veröffentlicht: http://sabotnik.blogsport.de/2010/11/11/castor-reisebericht-aus-thueringen/.

Und was macht die gutbürgerliche Presse?
Am Montag nach dem Castor-Transport kommentiert Karsten Jauch in der Thüringer Allgemeinen Zeitung diesen kritisch:

Was die Menschen im Wendland alle paar Jahre erleben, ist eine polizeistaatliche Belästigung. Bahnstrecken sind mit Stacheldraht abgesperrt. Menschen werden an Parkplätzen und Haltestellen kontrolliert. Das geschieht im Rahmen des niedersächsischen Gefahrenabwehrgesetzes. Nur ist diese Definition der Gefahr die einer rückwärtsgewandten Engergiepolitik.
In Wahrheit ist der Protest die Gefahrenabwehr. Denn die Menschen wollen keine Castor-Transporte, kein Endlager in Gorleben und keine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke.
Insofern ist der zivile Ungehorsam – dazu gehört auch das Schottern – keine Straftat, keine Sabotage.(1)

Das löst einen Sturm der Empörung unter den braven Thüringern aus. Hobbyhistoriker Kurt Schlenstein aus Ilmenau analysiert:

Die Zerstörung von Gleisanlagen erinnert sehr an die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts.(2)

Und Jörg Schwäblein aus Erfurt, der solang in der CDU ist, wie die DDR existierte:

war empört:(…) ‚Von der Gewalt gegen Sachen ist es nur ein kleiner Schritt zur Gewalt gegen Personen.(2)‘

Höchste Zeit für die TA sich zu entschuldigen und zu titeln:

„Schottern ist eine Straftat“(2)

denn der Vorsitzende des Thüringer Strafverteidigervereins Andreas Kreysa sagt, beim Schottern

‚handelt es sich um die Zerstörung von Bauwerken nach § 305 des Strafgesetzbuches‘(2)

Wäre das schonmal geklärt, muss nur noch versucht werden, mit der Bildzeitung mitzuhalten, die vom Bürgerkrieg im Wendland faselte. Kein Problem, einfach ein paar

Thüringer Polizisten vor Ort(3)

befragt und siehe da sie

sprachen von ‚Szenen wie im Krieg.‘(3)

Dazu ein Interview mit Bodo Reiche, Chef der Thüringer Prügelbulleneinheit BFE. Titel:

Thüringer Polizeiführer beklagt steigende Gewalt bei Castortransport(4)

Investigativ gefragt:

auch Polizisten müssen mal essen, schlafen, duschen…(4)

Die Antwort:

Stimmt. Eine Ablösung hier im Wendland gibt es nicht, wir sind die ganze Zeit am Orte. Die Einsätze dauern 18, 20, 24 Stunden. Das ist immer so bei Castor-Protesten. Unser Quartier befindet sich etwa 40 Kilometer weg vom Geschehen um den Castor, in Containern. Vier Mann – eine Zelle. Zehn Toiletten und zehn Duschen für 120 Menschen.(4)

So ein Leben als Berufsschläger ist schon nicht einfach. Und was kommt noch dazu?

Dazu kommt die Trennung von der Familie – wir haben schließlich auch 14 Frauen mit und in jeder Pause wird per Handy nach Hause telefoniert.(4)

Familie ist halt Frauensache bei der Thüringer Polizei.

Quellen:
(1) http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/detail/-/specific/Des-Teufels-heisse-Last-737539885
(2) http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/detail/-/specific/Schottern-ist-eine-Straftat-1960257445
(3) http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/detail/-/specific/Thueringer-Polizisten-im-Castor-Einsatz-311680067
(4) http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/detail/-/specific/Thueringer-Polizeifuehrer-beklagt-steigende-Gewalt-bei-Castortransport-817904976

03. Oktober: Konzi in Eisenberg mit Pistol Girls, Vyst und La Casa Fantom

Auf die antinationalistische Demo nach Jena zu fahren, habe ich leider verschlafen. Mist. Wie schon bei der letzten Demo in Jena übt der Infoladen Sabotnik im Bericht hierzu ziemlich harte Kritik. Und wie beim letzten Mal scheinen zumindest die Organisator_innen der Veranstaltung nicht darauf eingehen zu können oder zu wollen. Oder kommt da noch was?
Nach Eisenberg zum Konzi habe ich es zum Glück doch noch geschafft. Zuerst spielten Pistol Girls (Fotos oben) – ich hoffe der Name ist richtig. [Edit] O nein, die Band heißt Pissed Goats! [/Edit] Also Pissed Goats spielten eines ihrer ersten Konzerte. Hat mir ziemlich gut gefallen. Außer dass es so laut war wie bei der zweiten Band – Vyst – ebenfalls, dass mensch schon Schmerzen in den Ohren hatte. Aber das ist in Eisenberg immer so. Und dann spielten La Casa Fantom (Fotos unten), die gerade auf Tour sind – 23 Konzerte in 27 Tagen. Es war toll, ebenso wie die 80er-Disco danach!