Archiv der Kategorie 'Erlebnisse'

Werbung 2: Solidarität mit Yve:tte!

Ohnmächtig der Gewalt entgegen…

Ein Eindruck von der Kundgebung mit dann 50 Menschen vor dem Gericht

Es tut so gut, wenn dir die Seele brennt, du auf die Straße rennst und du zeigst es geht dir nicht gut, dass dir der Kopf zerspringt und du weißt, dass du etwas tun musst. (Herbert G.)

Bericht von der Verhandlung
• 13:50 Uhr: Den Besucher_innen werden sämtliche Handys und Kameras weggenommen und sie werden körperlich durchsucht
• 14:26 Uhr: Die Richterin betritt den Saal: „Wenn hier kein Gehorsam herrscht, kann ich auch Ordnungsgelder verhängen, damit das gleich klar ist.“
• 14:43 Uhr: Das Gericht beschließt, dass die angeklagte Yve/tte auch durchsucht werden soll.
• 14:47 Uhr: Ausführende Organe der Gerichtsbullerei sind Männer, denn so sagt einer zu ihr: „In Ihrem Ausweis steht Sie sind männlicher Natur. Das ist nun mal so.“
• 14:51 Uhr: Yve/tte lässt sich zur Sache ein: „Ich wurde von Männern begrapscht. Zumutung.“ Von den geladenen Polizist_innen ist nur einer erschienen. Einer fehlt unentschuldigt, einer meldete sich krank und einer hat nett mit der Richterin aus seinem Skiurlaub telefoniert.
• 17:30 Uhr: Endlich vorbei – Puh! Yve:tte machte klar, dass die Anklage „Quatsch“ ist, die Staatsanwältin bezeichnete ihre Verletzungen als „drei Kratzer“, drei Zeug_innen unterstrichen die Darstellung von Yve/tte, der Polizist nicht.
Wessen Darstellung für die Gewalt Relevanz haben wird ist klar. Trotzdem ist Solidarität wichtig. Denn es geht weiter: Alles vertagt auf den 06. März 2013 um 8.30 Uhr – Kommt alle! Bestimmt vorher wieder mit Kundgebung.

Ohne Titel

Mal wieder in Jena unterwegs und hin ins „Volksbad“ – in Jena ist alles völkisch, das, wo Sarrazin vor ein paar Wochen gesprochen hat, heißt „Volkshaus“ – wo eine Podiumsdiskussion zum NSU stattfindet. NSU heißt jetzt nicht so wirklich Nabelschnur-Umschlingung oder Neckarsulm, wie bei der eine Bedeutung ziemlich krass ausblendenden die folgende Bedeutung meinenden, jedoch das nicht unbedingt erkennbar lassenden Mädchenmannschaft heute, sondern National-Sozialistischer-Untergrund. So nannten sich die Mörder, die in den vergangenen 12 Jahren mindestens 9 Menschen die sie für nicht deutsch genug hielten, ermordet haben.
Titel der Veranstaltung: „Verharmlosen, Verdrängen, Vertuschen. Rechter Terror: Das Versagen der Behörden und die Wut der Angehörigen.“ Am Anfang sah es so aus als diese wirklich mal im Blickpunkt stehen, als ein Video-Beitrag über die Familie eines der Ermordeten eingespielt wird. Wie sie von den Behörden und der von diesen gelenkten Presse selbst als Täter behandelt wurden. Keine Entschuldigung. Die Trauer, die nicht weggeht. Das immerwährende Dran-bleiben-müssen an einer Aufklärung der Geschichte. Doch nach Yavuz Narin, dem Anwalt der Familie von Theodoros Boulgarides, haben schnell die Politiker das Sagen. Auch wenn von Narin und Hajo Funke immer neue Fakten über die Zusammenarbeit der Behörden mit den Nazis genannt werden, weder die SPD-Person aus dem Bundes-Untersuchungsausschuss, noch der Thüringer Innenminister wollen natürlich den Verfassungsschutz abschaffen. Letzterer hat natürlich volles Vertrauen zu seinen Behörden. Der Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz ist zwar betroffen von den Taten der Nazis. Doch es sind natürlich die Anderen. In der Polizei selbst gibt es keine Nazis. Dann sitzt da noch Michael Buback und erzählt die ganze Zeit von der RAF damals. Am Schluss meint dann der Innenminister Geibert sinngemäß, dass er die Extremismusklausel (was das ist: mehr dazu hier) doch ganz gut findet. Und er sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat. Buback sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat. Und selbst der Anwalt der Familie Boulgarides sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat.
Dann ist die Aufzeichnung (online jetzt hier) beendet und es dürfen noch Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Geibert kann nicht so recht erklären, was ein V-Mann ist. Dann steht da plötzlich der Vater von einem der Mörder und sagt, dass der Verfassungsschutz abgeschafft werden muss.
Als sich noch mehrere kritische Nachfragen an den Innenminister richten, bricht der Moderator schnell die Veranstaltung ab.
Naja, was habe ich auch erwartet. Wenn es um „den Fokus der Opfer“ gehen soll, aber gleich zwei CDU-Politiker und eine SPD-Frau auf der Bühne sitzen, von sechs Leuten nur eine Person, die die Opfer vertritt.
Auf dem Nachhauseweg treffe ich Bea. Bea ist total bürgerlich und schon seit Jahren gegen Nazis engagiert. Einfach weil sie empört ist. Und heute ist sie wütend. Sie würde ihre Wut nie herausschreien, würde sie? Sie sagt: „Die wissen alle genau wie weit sie gehen können.“
Meine Wut kommt erst später. Ich bin allein damit und weiß nicht, wie ich sie ausdrücken kann.

ein foto mit den vom nsu ermordeten personen

Der Hagen an der Kapitalismuskritik


Ein Hagen-Rether-Ticket.
Von jemensch an die Wand eines der Klos beim Gruftieschubsen (RW) (1) letzte Nacht geklebt.

Soviel kostet also die gute alte Kapitalismuskritik. 24 Euro.
Da ist Sarrazin billiger zu haben, nächsten Mittwoch in Gera und nächsten Donnerstag in Jena. Ca. 15 Euro.
Linksradikaler Protest? Fehlanzeige.
Antifa und Zivilgesellschaft sind sich einig:
„Dies ist ein normaler Vorgang in einer Demokratie.“ (Aktionsbündnis Gera, (2))
Deshalb gibt es in Gera auch keine Antifa mehr, oder?
Stattdessen bekommen Schüler eines Gymnasiums ermäßigte Eintrittskarten angeboten.
Aber auch in Jena wird dem demokratischen Aktionsnetzwerk (3) der Protest überlassen, während die gemäßigten Post-Antideutschen von der Antifa Task Force versuchen zu erklären, warum Sarrazin und seine Anhänger_innen keinen Rassismus verbreiten: „Vielmehr sollte man an dieser Stelle von Fremdenfeindlichkeit, Fremdenhass oder Xenophobie sprechen.“ (4)
Ach Deutschland, du bist mir fremd.

(1) RW heißt Redewendung
(2) https://www.facebook.com/pages/Aktionsb%C3%BCndnis-Gera-Gegen-Rechts/167463533345905
(3) http://jg-stadtmitte.de/2012/11/09/das-problem-heist-rassismus-kundgebung-gegen-die-lesung-von-sarrazin/
(4) http://atfjena.blogsport.eu/2012/11/07/redebeitrag-auf-der-demo-am-4-11/#more-728

Frauenquoten bei den Thüringer Piraten

Samstagmorgen in Eisenberg. Die Party gestern war lang. Kein Zweifel, ich brauche Kaffee.
Der Bäcker an der Straße hat zu. Also ein Spaziergang durch die graue Stadt. Im Einkaufscenter kostet der 1,30 €, ey gehts noch? Blödes Oligopol! (1) Die tolle neoliberale Marktwirtschaft funktioniert mal wieder nicht. Also laufe ich weiter. Da gab es doch noch einen Bäcker, wo ist der denn hin? In der Stadthalle ist aber was los. Richtig der Landesparteitag der Piraten. Kaffee? Kaffee? Kaffee? Ja, endlich. Für 50 Cent. Gemütlich hinsetzen.
Da vorne halten Menschen Reden, damit sie doch bitte für den Bundestag aufgestellt werden. Cool, ob das bei allen Parteien so ist? Es ist nämlich ganz einfach: Mensch nehme einfach einen Satzbaukasten, so wie auch beim Hartz-IV-Amt und reihe die Sätze beliebig aneinander. Fertig ist die Rede. „Die da oben regieren doch an den Bedürfnissen des Volkes vorbei.“ „Tierschutz ist mir eine Herzensangelegenheit“ „Transparenz ist wichtig.“ „Bitte gebt mir Euer Vertrauen.“ oder auch ein beliebter Kniff um Spontaneität zu verbreiten: „Ich hatte eigentlich eine Rede vorbereitet. Die lege ich jetzt mal beiseite.“ (2)
14 Leute reden da um auf den Listenplatz 1 zu kommen. Eine Frau ist darunter.
Frauenquote: 7 %
Da sieht es bei reproduktiven Tätigkeiten, also „typischer Frauenarbeit“ schon anders aus, z.B. am Infostand:
Frauenquote: 25 – 33 %
oder natürlich bei der Essensausgabe:
Frauenquote: 25 – 33 – 40 %
Owei, schnell zurück durch die Stadt zur besten VoKü Thüringens.
Fisch, vegan:
ein Bild mit nem Teller mit Kartoffelbällchen, Tomatenscheiben und Fisch der auf nem riesigen Salatblatt liegt
:-)
Nahaufnahme des veganen Fischs, irgendwas ziemlich festes Fleischersatzmäßiges umrandet mit Algenblättern und auch noch Soße mit Kräutern
:-) :-)
(1) Oligopol = was, wo es nur ein paar Anbieter gibt (wenn es nur einen gibt: Monopol) und der tolle Wettbewerb nicht mehr so richtig funktioniert wegen Preisabsprachen etc. z.b. auch Tankstellen.
(2) sinngemäße, keine wörtlichen Zitate.

Kaffeetrinken bei Oma

Oma Gudrun: „Pass auf dich auf! Es kann dir so viel passieren. Die Welt heute ist so schlecht.“
Enkel_in Kinky: „War sie denn früher besser?!?“
Oma Gudrun: „Da war sie auch schlecht. Aber nicht so schlecht wie heute. Es ist schlimmer geworden. Ich glaube, das liegt daran, dass so viel durcheinander ist. Es wäre besser, wenn jedes Land für sich wäre und auch sein eigenes Geld hätte. Es sind so viele Ausländer hier. Meinetwegen können sie ja hier sein, wenn sie richtig verfolgt werden in ihrem Land. Aber nicht so viele. Viele kommen, um uns hier auszunutzen.“
Enkel_in Kinky: „Wo gibt es denn hier viele Ausländer?!“
(Wir befinden uns im dritten Stock einer Plattenbauwohnung in Thüringen, wo der „Ausländeranteil“ wieviel? ein oder zwei Prozent beträgt.)
Oma Gudrun: „Doch es gibt sehr viele. Das sehe ich auch immer beim Einkaufen. Es rennen so viele schlimme Gestalten hier rum, die Böses im Schilde führen.“
Enkel_in Kinky: „Woher weißt du das denn?“
Oma Gudrun: „Das sieht man ihnen doch an!“

Solche krassen Sprüche hat sie früher nicht gebracht. Angesichts der Statistiken hier zwei Beiträge weiter unten im Blog (thueringenmonitor2011_auslaender.jpg):
Wie viele Leute freuen sich gerade eigentlich, dass die Nazis, die jetzt überall in den Nachrichten sind, mordend durch die Gegend gezogen sind? Die Nazis als Elite der Gesellschaft, die nur ein wenig konsequenter das ausführen, was die Mehrheit der Leute eh denkt?
Oder war das, was sie gemacht haben, doch zu schlimm, zu aufsehenerregend, zu blutig – also schmutzig, nicht sauber genug? Thüringen hat ja schließlich auch seine Image-Kampagne gestoppt. Die Morde, ein „schwerer Imageschaden für das Land.“

Sexismus in der Lindenstraße vs. Thüringen-Monitor 2011

Seit ich im Frühling 2010 in einer Erfurter WG regelmäßig gezwungen wurde, die Lindenstrasse zu sehen, vefolge ich die Serie. Muss wissen wie es weitergeht oder wie es erzählt wird. Ein ziemlicher Bruch war im Januar 2011 die Hereinnahme des „Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ namens Orkan in die Serie. Abgesehen von dem rassistischen Klischee, dass er kriminell und gewalttätig ist, ist er natürlich auch noch homophob, was aber nur in seiner Premieren-Folge gezeigt wird:

Paul (links) bekommt von Orkan erklärt:
„Fußball find ich voll schwul. Richtige Männer spielen Basketball.“

(Folge 1310 „Orkan“ 09.01.2011)
Die Stereotype in der Serie haben eh gerade mal wieder Hochkonjunktur. Beispielsweise in den letzten Wochenenden, wo es für die „Deutsch-Italienerin“ Sabrina das „Allerschlimmste ist“, dass ihr „deutscher“ Mann Hajo seine demenzkranke Mutter in ein Pflegeheim einmieten will. Weil für alle Italiener_innen natürlich die Familie das wichtigste ist!
Zurück zu Orkan: Dieser wird ganz klar als negative Figur aufgebaut. Nachdem er dem urdeutschen Andi Zenker ein Bierglas in die Fresse geschlagen hat, hält ihm sein quasi-erziehungsberechtigtes Vorbild Murat eine Standpauke wie sie auch von RTL-Jugendwerkhofsleiter Sonnenburg sein könnte:

VIDEO

(Folge 1317 „Bierglas-Schläger“ 27.02.2011)
„Dann bist Du gefickt.“ Sexistische Kackscheiße. In der heteronormativen Matrix wird der aktive Part (zu ficken) beim Sex nie als entwürdigend hingestellt, während der passive Part (gefickt werden) als Opfer, Schwächling, Schwuler, Mädchen gilt. Aktiv heißt Macht und Gewalt ausüben, Passiv heißt, Macht- und Gewaltausübung erdulden zu müssen. Das „gewaltsam“ ist nicht unbedingt zwingend, es gibt auch Leute, die sich freiwillig zur Frau machen lassen. Das sind dann die verhassten „Schwuchteln“. Orkan soll ein richtiger Mann sein, nicht schwach und passiv also verweiblicht. (Musste ich jetzt nicht selbst begründen, war frei nach maedchenblog und veganfeminist.)
Naja und die Zuschauer_innen, die sich im Forum auf lindenstrasse.de zu der Szene äußern, sind ausnahmslos begeistert:
zum Beispiel Frannie: „die letzten Worte von Murat fand ich richtig klasse.“ sowie Diavolezza: „Super, wie Murat Orkan zum Schluss den Kopf zurechtrückte und ihm klar sagte, was Sache ist“ oder uwe: „Murat ist der Held der Folge: Die letzte Szene, wo er Orkan klarmacht, daß er sein Leben ändern muß, denn ’sonst bist du ge**ckt‘, war authentisch und spannend!“ hem2613 schreibt: „‚dann bist du Ge**ckt‘… Besser kann man es nicht ausdrücken.“ und engel3107 stimmt zu: „murats letzter satz einfach nur zu geil… solche wörter in unserer lindenstraße… herrlich!!!“ Für Jeannie71 war „Murats ‚Ansprache‘“ ein „Highlight“ und Alice hat sogar „Gänsehaut bei Murats Ansprache.“
Jetzt Monate danach wird ein „Musikvideo“ ins Netz gestellt ( http://www.youtube.com/watch?v=VNqRH7rq3II ) mit positiven Bezug darauf und damit klar der Rahmen der Serie verlassen. Und so ne sexistische Scheiße reproduziert, reproduziert und reproduziert, sowie nach außen propagiert.
Achso die Ansprache von Murat passt ja zur repräsentativen Befragung zur politischen Kultur im Freistaat Thüringen, dem Thüringen-Monitor (download: thueringen.de/…thueringen-monitor_2011.pdf, 1,9 MB). Ganz im realen Leben.

Da würde er auch trotzdem den Hass der richtigen Deutschen Thüringer abkriegen. Lust zu Kotzen? Hier, bitte:

Aber hier leben? Nein Danke!
Wenn mensch es sich aussuchen kann.?.?.? Hm.
Einziger Lichtblick: Chaoten-Katholiken!

Und vielleicht doch mal wieder demonstrieren gehen:

Punx Bootstour 2011 in Erfurt

Tja, lag dieses Jahr leider krank zuhause danieder. :-( So bleibt mir nur, den Bericht des Infoladens Sabotnik zu rebloggen:
Schlauchboottour Erfurt 2011Heute, am 23.07.2011 fand in Erfurt die mittlerweile 10. Punxboottour statt. Das heißt, dass sich morgens um 12:00 Uhr Punks, Alternative und alle Anderen die in Partylaune sind mit alten Reifen in Erfurt in einen Zug setzen, nach Bischleben fahren um zu Frühstücken und später mit den Reifen als Boot in die Gera begeben um durch den Luisenpark bis zur Krämerbrücke zu fahren.

Dieses Jahr fand neben der Bootstour auch noch das Fußballspiel Rot-Weiss Erfurt gegen Carl-Zeiss Jena statt. Das sah mensch auch deutlich am durch das Polizeigeprägte Stadtbild. Da der Treffpunkt für die Bootstour (Hauptbahnhof) auch der Anreisepunkt für die Jenaer und einer der Sammelpunkte für Erfurter Fans ist, waren die Zahlreichen Beamten in Grün wie Dunkelblau-Schwarz auch leicht verwirrt. So verirrten sich mindestens zwei gut verkabelte Zivilbeamte zu den ca. 30-40 Leuten, die auf dem Bahnsteig den Zug in Richtung Bischleben erwarteten. Aber nicht nur die Zivilbeamten verirrten sich auf den Bahnsteig, auch einige Beamt_Innen in Kampfanzügen schienen auf den Zug nach Bischleben zu warten. Offensichtlich fiel ihnen rechtzeitig auf, dass ihr Reiseziel nicht Bischleben ist, weshalb sie nicht mit in den Zug stiegen.

In Bischleben selbst kam es dann aber tatsächlich zu einer kurzen Begegnung mit ein paar Polizist_Innen, die meinten, dass der Frühstücksort nicht einfach so zu betreten sei, schließlich wäre er Privateigentum. Später kam auch noch der Eigentümer des Grundstücks hinzu, war aber scheinbar beruhigt als ihm gesagt wurde die Zecken seien nach einer Stunde weg.
So kam es schließlich tatsächlich zur 10. Punxbootstour. Einige Menschen auf alten Reifen in der Gera, dazu noch etwas (oder auch etwas mehr) Alkohol sorgten für viel Spaß. Das größte Problem des Tages war das Wetter. Teilweise nur 15° Celsius plus Wind sind im Wasser keine allzu tollen Bedingungen. Das nächste Problem wurde – wie erwartet – die Polizei, die den geplanten Treffpunkt Krämerbrücke schon frühzeitig belagerte. Den dort anwesenden Menschen wurde ca. um 17:20 Uhr nahegelegt zu verschwinden, da es eine Verordnung gäbe, dass Menschen die dem „linken Spektrum an diesem Tag im Bereich der Krämerbrücke nichts zu suchen“ hätten. Ein paar wenige Menschen meinten, dass die „Verordnung“ nicht sonderlich glaubhaft sei. Um einer Diskussion bezüglich Glaubwürdigkeit vorzubeugen tat die Polizei genau das, was sie am besten kann – sie drohten mit einer sogenannten IDF. Als ein Mensch fragte, ob ihm der Begriff übersetzt werden konnte wurde in äußerst unfreundlichem Tonfall das Wort „Identitätsfeststellung“ über die Lippen gebracht. Gleichzeitig wurde damit gedroht, der „nächste Schritt“ sei „die Stadtverordung, welche den Alkoholkonsum in der Innenstadt verbietet“. Als da Argumentiert wurde, dass diese Innenstadtverordnung in einigen Städten bereits gekippt wurde, da sie einen massiven Einschnitt in die Versammlungsfreiheit bedeutet, wurde nur wieder gedroht. Im Laufe dieser „Diskussion“ wurde den Anwesenden durch die Polizist_Innen mitgeteilt, dem „Leiter der Veranstaltung wurde bereits mitgeteilt“, dass diese Bootstour nicht an der Krämerbrücke enden könnte. Stattdessen hätte mensch sich auf das „Venedig“ (ca. 10 Minuten Flussabwärts) als Endpunkt geeinigt. Da Kommunikation mit den Beamt_Innen auch an diesem Tag sinnfrei ist, lösten sich die Menschen an der Krämerbücke schließlich auf und verschwanden in Richtung Venedig bzw. Schlösserbrücke. An der Schlösserbrücke gab es nämlich ein paar Minuten später eines der Highlights der Tour zu sehen: Die Boote fuhren mitsamt ihren Insass_Innen einen Miniwasserfall hinab. Dabei verloren zwar einige der Boote ihre Insass_Innen und einige der Insass_Innen kurzeitig ihre Boote aber alles in allem war ein enormer Spaßfaktor vorhanden. Recht schnell hatten sich einige Bürger_Innen versammelt um mit zuzusehen, wie Punks, Alternative usw. Spaß haben. Und auch diesen Bürger_Innen war ein gewisses Grinsen ins Gesicht geschrieben.
Einige Meter weiter wurde einigen unterkühlten Fahrer_Innen das Grinsen allerdings aus dem Gesicht gepustet. Und zwar durch die Freund_Innen der Polizei. Diese meinten nämlich, es unterkühlten Menschen untersagen zu können, bereits an der Krämer auszusteigen um sich aufzuwärmen. Nachdem sie anfingen die Menschen zurück ins Wasser zu stoßen gingen schließlich ein paar Menschen dazwischen und redeten auf die Beamt_Innen ein, dies sei Nötigung sowie Körperverletzung, die Menschen seien sichtbar unterkühlt und müssten aus dem Wasser. Den Beamt_Innen schien das aber erst etwas auszumachen, nachdem Dienstausweise gefordert wurden. Einen Dienstausweis bekam zwar niemand zu sehen, aber die befürchtete Eskalation blieb aus. Schließlich „durften“ dann sogar einige der Leute kurz aus dem kalten Wasser raus, bevor sie weiter in Richtung Venedig gingen bzw. fuhren.

Dort wurden die Menschen von weiteren Beamt_Innen beobachtet und nach einer gewissen Zeit bekamen sie auch ihre Wechselklamotten und gingen sich aufwärmen.
Heute Abend gibt es außerdem noch eine Party im AJZ, um – hoffentlich zahlreich – diesen Tag angenehm ausklingen zu lassen und noch das eine oder andere Gläschen zu leeren.

Party ist wichtiger als Deutschland!

Schlauchboottour Erfurt 2011

Schlauchboottour Erfurt 2011

Vegetarische Bahn: Echt jetzt oder Hoax?


Letztens beim Bahnfahren…

Was in Erfurt so alles verboten ist

Alle paar Jahre mache ich es mir in der Badewanne gemütlich. Gestern war es wieder soweit. Dabei habe ich aber den Fehler gemacht, nicht wie sonst eine von den vielen „Die drei ???“-Kassetten einzulegen, nein es lief die Podiumsdiskussion „Braucht es heute noch Widerstand und Rebellion?“ (Download, hier, mp3, ca 60 mb) aus dem Theater Erfurt von vorgestern. Anlass war die Aufführung der Oper „Robin Hood“. Bei der Diskussion mitgespielt haben Vizebürgermeisterin Tamara Thierbach, CDU-Stadtrat Thomas Hutt, die „ehemaligen Hausbesetzer“ Pascal und Christian und Johannes Smettan. Die Linke Tamara Thierbach forderte ein Recht auf Arbeit. Ich sprang nicht aus dem Wasser und ruinierte vor Nässe triefend das Notebook, indem ich die Aufnahme stoppte. Immerhin forderte Christian dann das „Recht auf Faulheit“. Aber dann kommt Regisseur Jürgen R. Weber und behauptet, kurz bevor er die Hausbesetzer_innen mit den Roten Khmer in einen Topf wirft:

„Das interessante ist ja, dass man im Moment auch nicht arbeiten muss. […] Du hast hier total das Recht, die Flaschen abends aus dem Mülleimer zu holen und davon zu leben!“

Auch das ist völliger Unsinn und einfach falsch. Ein Blick in die „Ordnungsbehördliche Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Landeshauptstadt Erfurt (Stadtordnung) vom 16. Mai 2003“ (download: hier, pdf) hilft da weiter.

§ 4 Abfallbehälter
(2) Abfallbehälter aller Art, Sammelbehälter zur Rückgewinnung von Rohstoffen und Behältnisse von Streugut dürfen nicht durchsucht, Gegenstände daraus nicht entnommen oder verstreut werden.
[…]
§ 15 Ordnungswidrigkeiten
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 50 ThürOBG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig
7. entgegen § 4 Abs. 2 die dort genannten Behälter durchsucht oder aus ihnen Gegenstände entnimmt oder verstreut,
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann gem. § 51 ThürOBG mit einer Geldbuße bis zu 5000,00 Euro geahndet werden.

Jetzt könnte mensch ja auf die Idee kommen, die leeren Flaschen neben dem Mülleimern abzustellen, damit die Flaschensammler_innen diese nicht durchwühlen müssen. Ne ne, das ist auch VERBOTEN und wird als Ordnungswidrigkeit ebenfalls mit einer Geldbuße bis 5000 Euro bestraft. Kackstadt.
Na gut, immerhin hat die Polizei gerade wichtigeres zu tun. Das wichtigste Thema des Tages ist, wer den Polizeieinsatz beim Papstbesuch im September leiten darf. Wird es vielleicht Jürgen Loyen?

SoKo-Leiter bei den Mafiamord-Prozessen, Räumung Besetztes Haus, Neonazi-Demonstrationen, Krawall-Fußballspiele, Bandidos-Prozesse und die Sendung „Wetten dass?“ – Loyen gilt als erfahren bei Großeinsätzen. Ob der 46-Jährige für die Sicherheit des Heiligen Vaters und der erwarteten 100.000 Gläubigen sorgen wird, ist noch nicht entschieden. Es heißt, es liegen mehrere Bewerbungen vor. Es geht um Prestige und Politik.


Quelle: http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Sicherheit-fuer-den-Papst-in-Erfurt-1303572633

Verboten