Archiv der Kategorie 'Hörspiel'

Bullenmüllkippe

Regen. Schon den ganzen Tag.
Da lässt sich der Nummer 1 der Top-Ten-Tipps gegen Depressionen – nämlich einem Spaziergang an der frischen Luft – nur schlecht folgen.
Na dann ca. Nummer 8 auf der Liste. Hörspiele. Mag ich ja wirklich gerne.
Fazit des neuesten ARD-Radiotatort vom WDR „Kontermann“ ( download, 50 mb, bestimmt nicht mehr lang ):
Eine realistische Darstellung von Polizeiarbeit, wie sie selten zu hören ist!
< ---Spoiler--->Zum Schluß ein sexistischer Spruch („Sie sind doch kein Mädchen“) in der nur aus Männern bestehenden Ermittlergruppe. Vorher ein finaler Rettungsschuss des SEK ohne Rechtsgrundlage. Vorher das Eindringen in eine Wohnung ohne solche.
Der Höhepunkt: Der Rassismus des einen Beamten als er Geiselnehmer mit italienischen Migrationshintergrund™ per Megafon zur Aufgabe überreden will: „Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen. In Deutschland werden Ausländer besser behandelt als die Einheimischen.“
Macht es Sinn, wenn der Gesellschaft der Spiegel vorgehalten wird? (RW)
Wer hört es wie?
Berührt hat mich die Geschichte. Der aus dem Knast ausgebrochene Kontermann nimmt die wegen diverser Verfehlungen oder Fehlern versetzten Beamten der „Task Force Hamm“ als Geiseln…
Kontermann: „Ein Depp, nen Rentner, nen Alki und ein so gut wie geheilter Zocker. Was ist das hier? Ne Bullenmüllkippe?“
Oberbulle: „Das ist ein Ort, wo man eine zweite Chance bekommt. Solche Orte gibts. Jeder kriegt eine zweite Chance. Vielleicht sogar Du… Nee, Du nicht.“

Eine soziale Tätowierung

Warum geht mensch zum Zoro-Festival? Um sich draußen mit anderen zu unterhalten.
Und da schien auf einmal das Folgende aus dem Hörspiel „Flugbegleiter“ zuzutreffen, wovon ich bisher immer gedacht (gehofft?) hatte, dass es doch etwas überspitzt dargestellt wird:

• Heidi zu Felix: Hast du schon mal bemerkt, dass noch so detailliert ausgearbeitete männliche Statuen der Antike keine Brustwarzen besitzen?
• Christina: Weibliche dagegen sehr wohl.
• Felix: Was ich auffallend finde, ist dass unsere Identität in erster Linie als eine sexuelle definiert wird. und zwar im performativen Sinn einer persönlichen = politischen Praxis. Ich kann ein sehr kunstvolles Geländer drechseln, doch die Leute werden nicht sagen: ‚Seht, da geht jener, der so schöne Geländer drechselt!‘
Ich kann ein ganzes Haus mit meinen eigenen Händen erbauen, aber die Leute werden mir deshalb keinen anderen Namen geben.
wenn ich jedoch mit dem hübschen Jungen aus der Nachbarschaft ins Bett gegangen bin, werden sie mich mein Leben lang nach eben dieser Handlung benennen.
• Christina zu Felix: Sie in deinen Körper einschreiben.
• Felix: Ganz genau. Eine soziale Tätowierung anbringen sozusagen.

Das Hörspiel „Flugbegleiter“ von Thomas Meinecke und Move D, wo Inszenierung von Geschlechterrollen, Homosexualität, queerer Musik… diskutiert wird, supergut begleitet mit viel House Music kann mensch herunterladen: download-verweis von br2, 54 Mb, 78 min. Unbedingt anhören!!!