Ohne Titel

Mal wieder in Jena unterwegs und hin ins „Volksbad“ – in Jena ist alles völkisch, das, wo Sarrazin vor ein paar Wochen gesprochen hat, heißt „Volkshaus“ – wo eine Podiumsdiskussion zum NSU stattfindet. NSU heißt jetzt nicht so wirklich Nabelschnur-Umschlingung oder Neckarsulm, wie bei der eine Bedeutung ziemlich krass ausblendenden die folgende Bedeutung meinenden, jedoch das nicht unbedingt erkennbar lassenden Mädchenmannschaft heute, sondern National-Sozialistischer-Untergrund. So nannten sich die Mörder, die in den vergangenen 12 Jahren mindestens 9 Menschen die sie für nicht deutsch genug hielten, ermordet haben.
Titel der Veranstaltung: „Verharmlosen, Verdrängen, Vertuschen. Rechter Terror: Das Versagen der Behörden und die Wut der Angehörigen.“ Am Anfang sah es so aus als diese wirklich mal im Blickpunkt stehen, als ein Video-Beitrag über die Familie eines der Ermordeten eingespielt wird. Wie sie von den Behörden und der von diesen gelenkten Presse selbst als Täter behandelt wurden. Keine Entschuldigung. Die Trauer, die nicht weggeht. Das immerwährende Dran-bleiben-müssen an einer Aufklärung der Geschichte. Doch nach Yavuz Narin, dem Anwalt der Familie von Theodoros Boulgarides, haben schnell die Politiker das Sagen. Auch wenn von Narin und Hajo Funke immer neue Fakten über die Zusammenarbeit der Behörden mit den Nazis genannt werden, weder die SPD-Person aus dem Bundes-Untersuchungsausschuss, noch der Thüringer Innenminister wollen natürlich den Verfassungsschutz abschaffen. Letzterer hat natürlich volles Vertrauen zu seinen Behörden. Der Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz ist zwar betroffen von den Taten der Nazis. Doch es sind natürlich die Anderen. In der Polizei selbst gibt es keine Nazis. Dann sitzt da noch Michael Buback und erzählt die ganze Zeit von der RAF damals. Am Schluss meint dann der Innenminister Geibert sinngemäß, dass er die Extremismusklausel (was das ist: mehr dazu hier) doch ganz gut findet. Und er sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat. Buback sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat. Und selbst der Anwalt der Familie Boulgarides sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat.
Dann ist die Aufzeichnung (online jetzt hier) beendet und es dürfen noch Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Geibert kann nicht so recht erklären, was ein V-Mann ist. Dann steht da plötzlich der Vater von einem der Mörder und sagt, dass der Verfassungsschutz abgeschafft werden muss.
Als sich noch mehrere kritische Nachfragen an den Innenminister richten, bricht der Moderator schnell die Veranstaltung ab.
Naja, was habe ich auch erwartet. Wenn es um „den Fokus der Opfer“ gehen soll, aber gleich zwei CDU-Politiker und eine SPD-Frau auf der Bühne sitzen, von sechs Leuten nur eine Person, die die Opfer vertritt.
Auf dem Nachhauseweg treffe ich Bea. Bea ist total bürgerlich und schon seit Jahren gegen Nazis engagiert. Einfach weil sie empört ist. Und heute ist sie wütend. Sie würde ihre Wut nie herausschreien, würde sie? Sie sagt: „Die wissen alle genau wie weit sie gehen können.“
Meine Wut kommt erst später. Ich bin allein damit und weiß nicht, wie ich sie ausdrücken kann.

ein foto mit den vom nsu ermordeten personen


4 Antworten auf „Ohne Titel“


  1. 1 Anna 07. Dezember 2012 um 20:23 Uhr

    Ähm… du hast schon verstanden, dass bei der Mädchenmannschaft nichts „ausgeblendet“ wird, sondern dass es in den Gedichten genau darum geht…? :-?

  2. 2 kinky 08. Dezember 2012 um 3:28 Uhr

    ehrlich gesagt… nein.
    dass du es sagst, macht mich froher.
    ich hatte es als ziemlich krasse entnennung wahrgenommen. besonders das mit dem neckkarsulm. ich konnte auch nirgendwo anders einen bezug zum nsu sehen. auch in den zeilen, die danach kommen nicht, auch wenn ich da rassismus, nationalismus und töten assoziiert habe. zum beispiel wenn es heißt „Wer hat Angst vorm weißen Mann?“ war für mich klar, dass es ja gerade nicht um die täter_innen des nsu gehen kann.
    naja, alles subjektiv.

  3. 3 Sab 08. Dezember 2012 um 12:07 Uhr

    Schade, dass dir offenbar die Fähigkeit zur Abstraktion oder des Transfers fehlt. In den Fragmenten wird nichts verharmlost, da geht es genau um das, aber weil Gedichte auch eine Form der Kunst sind, sind auch Metaphern verwendet worden.

    Ps. Zu schreiben, dass Du mit Deiner Wut alleine bist, das finde ich vermessen. Vielleicht trifft es aber auch zu, wenn Du Dich in Kreisen von Rechten, Leuten, denen das egal ist oder auch mit Leuten, die nicht davon betroffen sind, bewegst.

  4. 4 kinky 08. Dezember 2012 um 18:36 Uhr

    deinen ableismus kannst du mal stecken lassen.
    außerdem hab ich die gedichte ja abstrahiert, bloß anders. möglicherweise ist das ja kunst, dass verschiedene menschen verschiedene sachen daraus lesen.
    habe den satz oben jetzt geändert.
    vermessen – duden: „(gehoben) etwas Unangemessenes [mit Überheblichkeit] tun oder sagen“ – ähm ja, vielleicht fehlt dir ja die fähigkeit zur konkretisierung. das mit dem allein-sein meinte nicht, dass es nicht irgendwo im umkreis von 50 kilometern irgendwo auch leute gibt, die diese wut auch haben (von einer person schrieb ich doch), sondern: in den stunden nach der diskussion war ich allein damit, in der bahn, auf dem weg durch die stadt und zuhause. ich wohne halt in erfurt (in kreisen von rechten bewegen – lol – das tust du, sobald du hier vor die tür gehst) und leider nicht in leipzig-connewitz oder in berlin um die ecke vom silverfuture oder so. freund_innen waren gerade mal nachts nicht available, ach aber wieso rechtfertige ich mich denn eigentlich dafür?

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