Archiv für Dezember 2012

Die Motivation

Und hier gleich noch ein Text aus der Erklärbär_in-Reihe – diesmal geht es um den Begriff „Diskurs“ –, die Fotos und die Fußnote sind von mir. Beim Suchen des Bildes von Foucault, um den es am Anfang geht, bin ich über ein Zitat gestolpert. Interessant, was Menschen so antreibt:
„I wasn‘t always smart, I was actually very stupid in school… [T]here was a boy who was very attractive who was even stupider than I was. And in order to ingratiate myself with this boy who was very beautiful, I began to do his homework for him – and that’s how I became smart, I had to do all this work to just keep ahead of him a little bit, in order to help him. In a sense, all the rest of my life I‘ve been trying to do intellectual things that would attract beautiful boys.“
— Michel Foucault, 1983
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„Ich war nicht immer schlau, Ich war tatsächlich ziemlich dumm in der Schule… Da gab es einen Jungen, der sehr attraktiv und sogar noch blöder als ich war. Und um mich bei diesem Jungen, der sehr schön war, beliebt zu machen, fing ich an, seine Hausaufgaben für ihn zu machen – und das ist’s, wodurch ich schlau wurde, ich musste all diese Arbeit machen um ihm immer ein kleines Stück voraus zu sein, um ihm zu helfen. In gewisser Hinsicht, versuche ich seitdem für den Rest meines Lebens intellektuelle Sachen zu machen, die für schöne Jungs attraktiv sind.“
— Michel Foucault, 1983

Was ist was? Der Diskurs. dokumentiert aus der Spunk, Oktober 2001

Focault sagt Diskurs

Michel Foucault war ein schwuler Wissenschaftler, der in Frankreich lebte und viel dazu geschrieben hat, wie Machtverhältnisse im Kleinen erzeugt und aufrecht erhalten werden.
Allen Anfeindungen zum Trotz hat er niemals behauptet, dass seine Analysen alle gesellschaftlichen Machtverhältnisse erklären können.

Diskursanalyse als Erweiterung marxistischer Analyse

Fortschrittlich Focault lesen bedeutet, seine Erkenntnisse zur Erweiterung der Analyse für die Fälle, in denen eine rein ökonomische Erklärung scheitert, zu sehen.

Diskurs ermöglicht Sinn durch Begriffe und Bedeutungszusammenhänge

Im Lexikon steht, Diskurs sei die Menge der Aussagen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt logisch und grammatisch möglich wären. Im engeren Sinne ermöglicht Diskurs Sinn, indem er Dinge mit einem Begriff versieht und diesen Begriff in einen Bedeutungszusammenhang stellt. Das geschieht in der Regel durch Übereinkünfte. Eine gewisse Menge Menschen ist sich einig, daß ein Begriff ein Ding bezeichnet, das sich zu anderen Dingen in bestimmter Weise verhält. Sinnvolle Kommunikation ist da möglich, wo unter den Beteiligten genügend Übereinstimmung bezüglich der Begriffe herrscht.

Spezialdiskurs neben dem Alltagsdiskurs

Je nach dem, mit wem wir über was in welchem Zusammenhang reden, führen wir alle mehrere Diskurse.
Bestimmte Berufsgruppen haben Spezialdiskurse, die Begriffe enthalten, die für die Normalbürgerin mehr verwirrend als erhellend wirken. Wer schon mal im Computerladen war, weiß, was ich meine.

Menschen schaffen Begriffe

Die Begriffe dieses Diskurses stammen aus technischen Dokumenten oder aus der Marketing-Abteilung der Computerfirmen. Aber auch der Duden stellt Begriffe für Diskurse bereit und eine unerschöpfliche Quelle stellt die wissenschaftliche Literatur bereit.

Nur wer den selben Diskurs teilt, kann sinnvoll kommunizieren

Wie oben schon gesagt, ist sinnvolle Kommunikation nur möglich, wenn die Beteiligten einen Diskurs teilen. Wenn also eine Marxistin und eine bürgerliche Soziologin über die Klassengesellschaft reden, werden sie kaum etwas sinnvolles produzieren, weil der Begriff Klasse bei Marx und Weber etwas anderes bedeutet und in eine grundlegend andere Theorie eingebettet ist.

Begriffe wandern von Diskurs zu Diskurs

Oft wandern auch Wörter aus dem einen Diskurs in den anderen.

Internet ist nicht das WWW

Dabei können sie ihre Bedeutung ändern und in vollkommen anderem Kontext wieder auftauchen. Zum Beispiel ist der Begriff Internet vom Spezialdiskurs der NetzwerkspezialistInnen in den Alltagsdiskurs gewandert, er bedeutet dort jedoch was anderes.

Begriffe funktionieren in Diskursen wertend

Aber der Diskurs macht noch mehr. Zu der reinen Benennung stellt er Begriffe in einen Zusammenhang und funktioniert dadurch wertend. Zum Beispiel bedeuten die Begriffe totalitär und ganzheitlich eigentlich das selbe (das große Ganze betreffend).

Wertung entsteht mit dem diskursiven Zusammenhang

Nur steht der eine im Zusammenhang mit DDR und NSDAP mit fiesen verfassungsfeindlichen Gestalten und der Randale am ersten Mai. Der andere ist Leitbegriff der Agenda 21 (1) und taucht eher im Zusammenhang mit Mülltrennung, Bachblütentherapie und naturnaher Waldbewirtschaftung auf.

Diskurs kanalisiert Analysen

Durch die konstruierten Zusammenhänge kanalisiert der Diskurs die Analyse des Gegenstandes. Wenn heute in der Soziologie nicht mehr über Klassen geschrieben wird, sondern die Stellung im Produktionsprozess als Milieu oder mit Hilfe der Lebenswelt beschrieben wird, so ist vollkommen klar, daß Armut in dieser Analyse auf persönliches Versagen zurückzuführen ist und auch ebenso behoben werden muß.

Die Kontrolle über Diskurse ist eine Machtfrage

Die Macht, Begriffe zu besetzen und positiv oder negativ zu belegen heißt diskursive Macht.
Wie sehr sie Handeln beeinflussen kann, zeigt das Beispiel der Fluchthilfe.

Fluchthelfer – Schlepperbanden – Menschenhändler

Die Leute, die Menschen gegen Geld über Grenzen bringen, hießen vor 1990 in der BRD Fluchthelfer. Nach der Wende war die deutsche Ostgrenze plötzlich keine unrechtmäßige mehr und das Geschäft wurde unangenehm. Bei einer europäischen Innenministerkonferenz wurde neben dem härteren Vorgehen gegen illegale EinwandererInnen eine neue Sprachregelung beschlossen und aus Fluchthelfern wurden über Nacht Schlepperbanden und Menschenhändler.
Bezeichnet wird nach wie vor dasselbe, nur steht Schleppen und Menschen handeln in einem vollkommen anderen diskursiven Zusammenhang. Nach „Hilfe“ und „Flucht vor dem Unrecht“ wird benannt(2), es geht nun vielmehr um „Banden“ die mit „Organisierter Kriminalität“ mit Menschen (am Ende gar Sklaven?) handeln.
Ohne die allgemeine Erkenntnis, daß Fluchthilfe böse ist, lässt sich kaum erklären, daß die meisten Flüchtlinge an der deutschen Ostgrenze durch aktive Hilfe aus der Zivilbevölkerung gefangen genommen werden.
Für politisches Engagement bedeutet die Diskurstheorie, zu analysieren, in welchem Zusammenhang die von uns benutzten Begriffe stehen und wie wir Diskurse emanzipatorisch beeinflussen können. Positives Beispiel ist der Titel der Kampagne Kein Mensch Ist Illegal.

(1) Das war so ein Entwicklungs- und Umweltpolitik-Programm für das 21. Jahrhundert, das 1992 auf nem Gipfel in Rio de Janeiro beschlossen wurde.
(2) Wow, das Beispiel ist noch immer aktuell, so wurden dieses Jahr im Oktober Fluchthelfer vom Bundesgauck-präsident mit einigem Trara und dem Bundesverdienstkreuz belohnt. Und eben nicht solche, die Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa bringen.

Alle Jahre wieder – Sachsen, Transvestiten, Rassisten und Zigeuner

dasdie-veranstaltungsprogramm: samstag 12. 01. uwe steimle, 22 euro, samstag 12. 1. wintertravestie 53 euro mittwoch 16. 1. thilo sarrazin, 16 euro, donnerstag 17. 01. wintertravestie freitag 18. 01. der zigeunerbaronAm 25. Mai 2009 wurde Erfurt von der Bundesregierung als „Stadt der Vielfalt“ ausgezeichnet. Schön zu sehen, zum Beispiel auf den Bühnen des Wolfgang Staub.
Dieses Jahr die Gegenmobi gabs hier. Ob es nächstes Jahr auch wieder eine geben wird?

Sexuelle Codes. dokumentiert aus der Spunk, april 2002

Nonverbale Codes existieren viele. Menschen lächeln, verziehen ihr Gesicht oder sagen gar nichts, wenn eine Antwort nötig wäre.
In keinem Bereich ist aber die nonverbale Kommunikation der verbalen so überlegen wie der Sexualität. Hier ist der verbale Anteil so gering, daß Tips über ihre Anwendung ganzer Hefte Inhalt füllen: „Was Jungs wirklich denken“, „Wie du sagst, was du willst“ und „Ich trau mich nicht“ lauten so die Überschriften einschlägiger Publikationen.
Im Rahmen bekannter gesellschaftlicher Codes muß jedes Individuum, das sexuelle Wünsche hat, eine eigene, für sich passende Taktik im Laufe des Lebens entwickeln, doch an den ersehnten Spaß sexueller Lüste zu kommen.
Das ziemlich peinliche „Willst Du noch auf einen Kaffee mitraufkommen“ gilt als zu platt.
Das gilt qua bürgerlicher Vorstellung bis zur vollkommenen Durchdringung des Lebens.
Menschen trennen sich in Weiblein und Männlein, schminken sich, kaufen sich tolle Kleidung, verhalten sich möglichst attraktiv.
Und es ist genau die Ambivalenz der Taktik, die einerseits den Zwang hat(1), immer etwas zu verheimlichen, um nicht zu deutlich zu werden, die andererseits aber auch von vielen als Spaß machend empfunden wird (Flirten, zweideutige Blicke, …)
Jede Frage hingegen, die an eine Person des anderen Geschlechts gestellt, gar sexuelles Anliegen hat, wird somit sexualisiert. Das Interesse, eine Person anderen Geschlechts kennenzulernen, ohne Sex einzuschließen bzw. indem Sex explizit ausgeschlossen wird, wird dann als sexuelles Interesse umgedeutet. Die Frage „Wollen wir mal n Bier zusammen trinken?“ an eine Person anderen Geschlechts kann schon so zuviel werden(2). Der Person des gleichen Geschlechts wird mensch mit den Codes aber wohl nicht näher kommen und als „rein platonisch“ verstanden, weil sie vielleicht nicht erkannt werden oder von Heterosexualität als Norm ausgehen, denn Lust ist entweder heterosexuell oder sie ist es nicht.

Praxis

Was macht mensch nun, wenn mensch eine nette, bekannte oder auch unbekannte Person getroffen hat, die für eine Verabredung zum netten Plausch und Konsensfindung über sexuelle Vorlieben und anschließenden Praxisworkshop möglich erscheint? (3)
Ist das vergleichbar mit der Situation, wenn ich ein Mal mit x Volleyballspielen will oder auch länger und mit y nicht mehr oder nur mal gucken, wie es sich ergibt?
Ach, Quatsch, wir sind ja jetzt beim Hobby Sex und nicht Musik. Oder etwa doch? (4) (mehr…)

Was ist was? Kritische Theorie. aus der vertigo, dezember 2002

Die kritische Theorie:
Frankfurter Schule = Marx + Freud

Die Kritische Theorie ist die Theorie der „Frankfurter Schule“. 1924 hat sich eine Gruppe von Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen zusammen gefunden und mit freundlicher Unterstützung des sozialistischen Millionärs Felix Weil das Frankfurter Institut für Sozialforschung gegründet.
Ziel des Instituts war eine zeitgemäße Erweiterung der Gesellschaftstheorie von Karl Marx, bereichert um die neueren Erkenntnisse der Psychoanalyse. 1933 musste das Institut schließen und emigrierte zuerst nach Genf, später nach New York, wo frühe Studien über Antisemitismus und den „autoritären Charakter“ im bürgerlichen Staat entstanden. 1950 wurde das Institut in Frankfurt wiedergegründet.
Der Publikationen der Frankfurter Schule sind stark beeinflusst durch die Erfahrung des Nationalsozialismus und der Shoa, die gezeigt hat, wie hinter der Fassade der aufgeklärten bürgerlichen Welt „triumphales Unheil“ sich entwickeln kann.
Die prominentesten Vertreter der Frankfurter Schule sind Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Erich Fromm, Leo Löwenthal und Herbert Marcuse.

Eine kritische Theorie:
- Wissen ist im Kapitalismus eine Ware
- Politik schafft den Rahmen für Forschung
-> Wissenschaft ist nicht unabhängig von Gesellschaft
-> kritische Theorie kritisiert im Interesse von Emanzipation

Eine Kritische Theorie einer Gesellschaftstheorie, die sich in bestimmten Punkten von einer traditionellen Theorie abhebt.
Max Horkheimer hat 1936 entworfen, wie sich die beiden unterscheiden lassen.
Photograph taken in April 1964 by Jeremy J. Shapiro at the Max Weber-Soziologentag. Horkheimer is front left, Adorno front right, and Habermas is in the background, right, running his hand through his hair.Am Anfang steht für Horkheimer die Erkenntnis, dass Wissenschaft nicht unabhängig vom Gesellschaftlichen Zusammenhang funktioniert, sondern auf vielfältige Weise eingebunden ist: KeinE WissenschaftlerIn kann also behaupten, als AußenstehendeR auf die Welt zu blicken und ohne jede Befangenheit vom Untersuchungsgegenstand sprechen, als habe sie gar nichts damit zu tun. (Spätestens wenn das Geld für den nächsten Forschungsauftrag ausbleibt, wird sonnenklar, daß der vielzitierte „Elfenbeinturm“, also der Standpunkt außerhalb dessen, was betrachtet wird, nur Illusion ist.) (mehr…)

Viva la SPUNK – Vor zehn Jahren…

da gab es schon ne Weile verschiedene linksradikale Zeitschriften in Erfurt. Die bekannteste war wohl die „Spunk“, die jedesmal mit einem anderen Namen auf dem Titel veröffentlicht wurde. So richtige Zeitschriften zum Anfassen. DIY: zusammengebastelt, irgendwie selbst kopiert und zusammengeheftet. Ich habe mich immer gefreut, wenn auf einmal eine neue aufgetaucht ist.
ein foto mit zwei ausgaben der zeitschriften drauf. papier. hefte. selbst kopiert irgendwie und geheftet
In den nächsten Posts habe ich mal zwei Artikel von vor nun 10 Jahren in die Tastatur gehackt, damit die Texte nicht verloren gehen. Da ich keine Ahnung von Theorie und so habe, fand ich den ersten Artikel ziemlich gut, denn da wird erklärt, was kritische Theorie ist – verständlich erklärt! Das Foto habe ich jetzt mal dazu kopiert, so sieht mensch noch klarer, dass es hauptsächlich eine Theorie von Männern™ war. Und ist? Ja, Nein? Hm.
Der zweite Text über „sexuelle Codes“ ist heute noch genauso aktuell. Ist da denn überhaupt viel Theorie dazu gekommen? Nochmal hm. Nun gut, heute heißt es „sexuelles Skripting“. Den spannenden Workshop in Copenhagen habe ich leider dieses Jahr verpasst.
Als das besetzte Haus am Tag der Räumung plattgewalzt wurde, da waren auch einige Spunks darunter.
Kein vergeben! Kein vergessen!

Ohne Titel

Mal wieder in Jena unterwegs und hin ins „Volksbad“ – in Jena ist alles völkisch, das, wo Sarrazin vor ein paar Wochen gesprochen hat, heißt „Volkshaus“ – wo eine Podiumsdiskussion zum NSU stattfindet. NSU heißt jetzt nicht so wirklich Nabelschnur-Umschlingung oder Neckarsulm, wie bei der eine Bedeutung ziemlich krass ausblendenden die folgende Bedeutung meinenden, jedoch das nicht unbedingt erkennbar lassenden Mädchenmannschaft heute, sondern National-Sozialistischer-Untergrund. So nannten sich die Mörder, die in den vergangenen 12 Jahren mindestens 9 Menschen die sie für nicht deutsch genug hielten, ermordet haben.
Titel der Veranstaltung: „Verharmlosen, Verdrängen, Vertuschen. Rechter Terror: Das Versagen der Behörden und die Wut der Angehörigen.“ Am Anfang sah es so aus als diese wirklich mal im Blickpunkt stehen, als ein Video-Beitrag über die Familie eines der Ermordeten eingespielt wird. Wie sie von den Behörden und der von diesen gelenkten Presse selbst als Täter behandelt wurden. Keine Entschuldigung. Die Trauer, die nicht weggeht. Das immerwährende Dran-bleiben-müssen an einer Aufklärung der Geschichte. Doch nach Yavuz Narin, dem Anwalt der Familie von Theodoros Boulgarides, haben schnell die Politiker das Sagen. Auch wenn von Narin und Hajo Funke immer neue Fakten über die Zusammenarbeit der Behörden mit den Nazis genannt werden, weder die SPD-Person aus dem Bundes-Untersuchungsausschuss, noch der Thüringer Innenminister wollen natürlich den Verfassungsschutz abschaffen. Letzterer hat natürlich volles Vertrauen zu seinen Behörden. Der Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz ist zwar betroffen von den Taten der Nazis. Doch es sind natürlich die Anderen. In der Polizei selbst gibt es keine Nazis. Dann sitzt da noch Michael Buback und erzählt die ganze Zeit von der RAF damals. Am Schluss meint dann der Innenminister Geibert sinngemäß, dass er die Extremismusklausel (was das ist: mehr dazu hier) doch ganz gut findet. Und er sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat. Buback sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat. Und selbst der Anwalt der Familie Boulgarides sagt, er habe Vertrauen in den Rechtsstaat.
Dann ist die Aufzeichnung (online jetzt hier) beendet und es dürfen noch Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Geibert kann nicht so recht erklären, was ein V-Mann ist. Dann steht da plötzlich der Vater von einem der Mörder und sagt, dass der Verfassungsschutz abgeschafft werden muss.
Als sich noch mehrere kritische Nachfragen an den Innenminister richten, bricht der Moderator schnell die Veranstaltung ab.
Naja, was habe ich auch erwartet. Wenn es um „den Fokus der Opfer“ gehen soll, aber gleich zwei CDU-Politiker und eine SPD-Frau auf der Bühne sitzen, von sechs Leuten nur eine Person, die die Opfer vertritt.
Auf dem Nachhauseweg treffe ich Bea. Bea ist total bürgerlich und schon seit Jahren gegen Nazis engagiert. Einfach weil sie empört ist. Und heute ist sie wütend. Sie würde ihre Wut nie herausschreien, würde sie? Sie sagt: „Die wissen alle genau wie weit sie gehen können.“
Meine Wut kommt erst später. Ich bin allein damit und weiß nicht, wie ich sie ausdrücken kann.

ein foto mit den vom nsu ermordeten personen