Archiv für November 2012

08.12. Erfurt: Topf & Söhne – Besetzung auf einem Täterort – Lesung und Party

Das besetzte Haus in Erfurt ist nun schon vor dreieinhalb Jahren geräumt worden. Nun gibt es eine Broschüre, die beim graswurzel-verlag bestellt werden kann (12,90 €).
Abbildung des Buchtitels. Unter dem Titel ist ein Foto von der Hausfassade. In einem Fenster sitzen zwei Menschen und lassen die Beine heraus baumeln.„Die Hausbesetzung auf dem ehemaligen Gelände der Erfurter Firma Topf & Söhne, die in der Zeit des Nationalsozialismus Krematoriumsöfen für Konzentrations- und Vernichtungslager hergestellt hatte, war in den 2000er-Jahren eines der bekanntesten linksradikalen Projekte in Deutschland. Das Buch will die Erfahrungen dieser Zeit festhalten. Mit Erzählungen und Analysen rekonstruieren wir gemeinsame Kämpfe und interne Streitigkeiten, sprechen mit anderen Beteiligten über Ratten und Debatten und bieten dazu einen Überblick über die Hausbesetzer_innenszene der 1990er-Jahre in Erfurt und die historische Bedeutung der Firma Topf & Söhne.“
Erlebnisse, die sich tief eingebrannt haben. Auch bei mir: Wie ich das letzte Mal die Stufen von meinem Lieblingsplatz hinunterging und wußte, dass es das letzte Mal sein würde, dass ich es nie wieder sehen würde. Plenums, die von abends um sieben oder um acht bis nachts halb eins gingen. Rundgänge mit ein oder zwei Personen, die es noch nicht gesehen hatten, über das Geschichtsgelände. Der Verfall. Partys mit vollgekoksten „Das-darf-ich-hier-nicht-sagen.“-Mackern. Mein eigenes Versagen. Der Geruch. Schlafen, obwohl der Boden vom Techno-Gewummer zwei Etagen drunter bebt. Kälte, trotz zwei Schlafsäcken. Den Hof kehren. Sicherheit. Abenteuer, das von Bullen umstellte Gelände umgehen und sich durch die Schrottwüste hindurchschlagen. Schicke Antifas.
Naja und so weiter, jedenfalls gibt es eine Buchvorstellung und Releaseparty für die Broschüre:
„Am 08.12.2012, 20.00 Uhr, im Filler in der Schillerstraße 44 in Erfurt.
Es spielen mehrere, zum Teil mit dem Haus assoziierte Bands, dazu lesen verschiedene Autor_innen ihre Texte.
Es spielen [geupdatet]: Kenny Kenny Oh Oh, Failed Suicide Plan, Schachtelmund und DJ Creepy – elektro/electronica
Es lesen: Anna und Arthur

Der Hagen an der Kapitalismuskritik


Ein Hagen-Rether-Ticket.
Von jemensch an die Wand eines der Klos beim Gruftieschubsen (RW) (1) letzte Nacht geklebt.

Soviel kostet also die gute alte Kapitalismuskritik. 24 Euro.
Da ist Sarrazin billiger zu haben, nächsten Mittwoch in Gera und nächsten Donnerstag in Jena. Ca. 15 Euro.
Linksradikaler Protest? Fehlanzeige.
Antifa und Zivilgesellschaft sind sich einig:
„Dies ist ein normaler Vorgang in einer Demokratie.“ (Aktionsbündnis Gera, (2))
Deshalb gibt es in Gera auch keine Antifa mehr, oder?
Stattdessen bekommen Schüler eines Gymnasiums ermäßigte Eintrittskarten angeboten.
Aber auch in Jena wird dem demokratischen Aktionsnetzwerk (3) der Protest überlassen, während die gemäßigten Post-Antideutschen von der Antifa Task Force versuchen zu erklären, warum Sarrazin und seine Anhänger_innen keinen Rassismus verbreiten: „Vielmehr sollte man an dieser Stelle von Fremdenfeindlichkeit, Fremdenhass oder Xenophobie sprechen.“ (4)
Ach Deutschland, du bist mir fremd.

(1) RW heißt Redewendung
(2) https://www.facebook.com/pages/Aktionsb%C3%BCndnis-Gera-Gegen-Rechts/167463533345905
(3) http://jg-stadtmitte.de/2012/11/09/das-problem-heist-rassismus-kundgebung-gegen-die-lesung-von-sarrazin/
(4) http://atfjena.blogsport.eu/2012/11/07/redebeitrag-auf-der-demo-am-4-11/#more-728

Frauenquoten bei den Thüringer Piraten

Samstagmorgen in Eisenberg. Die Party gestern war lang. Kein Zweifel, ich brauche Kaffee.
Der Bäcker an der Straße hat zu. Also ein Spaziergang durch die graue Stadt. Im Einkaufscenter kostet der 1,30 €, ey gehts noch? Blödes Oligopol! (1) Die tolle neoliberale Marktwirtschaft funktioniert mal wieder nicht. Also laufe ich weiter. Da gab es doch noch einen Bäcker, wo ist der denn hin? In der Stadthalle ist aber was los. Richtig der Landesparteitag der Piraten. Kaffee? Kaffee? Kaffee? Ja, endlich. Für 50 Cent. Gemütlich hinsetzen.
Da vorne halten Menschen Reden, damit sie doch bitte für den Bundestag aufgestellt werden. Cool, ob das bei allen Parteien so ist? Es ist nämlich ganz einfach: Mensch nehme einfach einen Satzbaukasten, so wie auch beim Hartz-IV-Amt und reihe die Sätze beliebig aneinander. Fertig ist die Rede. „Die da oben regieren doch an den Bedürfnissen des Volkes vorbei.“ „Tierschutz ist mir eine Herzensangelegenheit“ „Transparenz ist wichtig.“ „Bitte gebt mir Euer Vertrauen.“ oder auch ein beliebter Kniff um Spontaneität zu verbreiten: „Ich hatte eigentlich eine Rede vorbereitet. Die lege ich jetzt mal beiseite.“ (2)
14 Leute reden da um auf den Listenplatz 1 zu kommen. Eine Frau ist darunter.
Frauenquote: 7 %
Da sieht es bei reproduktiven Tätigkeiten, also „typischer Frauenarbeit“ schon anders aus, z.B. am Infostand:
Frauenquote: 25 – 33 %
oder natürlich bei der Essensausgabe:
Frauenquote: 25 – 33 – 40 %
Owei, schnell zurück durch die Stadt zur besten VoKü Thüringens.
Fisch, vegan:
ein Bild mit nem Teller mit Kartoffelbällchen, Tomatenscheiben und Fisch der auf nem riesigen Salatblatt liegt
:-)
Nahaufnahme des veganen Fischs, irgendwas ziemlich festes Fleischersatzmäßiges umrandet mit Algenblättern und auch noch Soße mit Kräutern
:-) :-)
(1) Oligopol = was, wo es nur ein paar Anbieter gibt (wenn es nur einen gibt: Monopol) und der tolle Wettbewerb nicht mehr so richtig funktioniert wegen Preisabsprachen etc. z.b. auch Tankstellen.
(2) sinngemäße, keine wörtlichen Zitate.