Archiv für Dezember 2010

The Wet Spots: Fist me this Christmas


via julinoir/nummer.drei/mädchenblog
Crisco gibt es seit 1911 und ist ein pflanzliches Brat- und Backfett in den USA. Die deutsch-, aber nicht die englischsprachige Wikipedia:

Crisco ist vor allem in der Schwulenszene der USA ein beliebtes Gleitmittel beim Analverkehr und Fisten. In den 1970er-Jahren erreichte es eine größere Verbreitung als Vaseline, dadurch begünstigt, dass es billig, geruchsneutral und überall erhältlich ist. Es gab unter anderem der schwulen Crisco Disco in New York ihren Namen. Die Verwendung hat seit der Entdeckung des HI-Virus nachgelassen, da es wie alle fetthaltigen Gleitmittel Latex angreift und latexbasierte Kondome und Handschuhe zum Reißen bringen kann.

Wände in Frankfurt/Main


Das Klapperfeld in Frankfurt mit dem Projekt Faites Votre Jeu.

„Welches Gewerbe passt zu den Ofenbauern von Auschwitz?“

Immer wieder stellt Historikerin Annegret Schüle diese Frage. Und beantwortet sie schließlich selbst: Supermärkte nicht. Aber ein Bäcker, ein Gartencenter und ein Fressnapf. Aber von Anfang an berichtet:
Nachdem das Gartencenter auf dem ehemaligen Topf & Söhne-Gelände mit schönen Grabgestecken und die elmi-Bäckerei mit „ofenfrischen Brötchen“ auf „dem ehemaligen ‚Topf & Söhne‘-Gelände“ warben und dafür in einer Pressemitteilung kritisiert wurden, kam der Förderkreis Topf und Söhne zu Hilfe und verteidigte die armen Gewerbetreibenden. Gestern wurde in die Bäckerei eingeladen um „die Versöhnung von Wirtschaft und Erinnerung“ (Infoladen Sabotnik) zu feiern. Leckere Brötchen frisch aus dem Ofen gab es nicht, dafür durchschnittlichen Kaffee und arg trockenen Schokoladenkuchen.
Bei der Vorstellung der Anwesenden vergaß Rüdiger Bender, Chef des Förderkreises, nicht zu erwähnen, dass der Chef der elmi-Bäckerei „Pate für eine Gedenkstele“ ist. Die sind zwar noch nicht fertig, weil das baulich so schwierig ist. Ein paar Einkaufsmärkte zu errichten ist da einfacher und auch wichtiger. Wie überhaupt die Vermarktung des Geländes Priorität hat.
Besonders schlimm für die Gewerbetreibenden und den Förderkreis ist, dass Linke-Abgeordnete und DBG-Organisationen die kritische Pressemitteilung unterschrieben haben. Die Werbung ist nicht pietätlos und damit Punkt. Aber auch ein Überlebender des KZ Buchenwald hat doch auch die Erklärung unterschrieben. Na und? Definieren, was pietätvoll ist, tun Förderkreis und Händler_innen. Bender: „Hier findet Handel und Wandel statt. Das ist produktive Irritation.“ Worin bei der jetzigen kapitalistischen Verwertung diese „produktive Irritation“ genau liegt, vermag er nicht zu sagen. Und überhaupt sollen sich die Leute wegen der Werbung mal nicht so haben: „Topf & Söhne war die Zerstörung jeglicher Form von Grabkultur. Das Gegenteil davon ist, im Gartencenter einzukaufen.“ Für den Totensonntag. Für die eigenen Angehörigen: „Das ist pietätvoll!“
Aber na gut, da sich so viele aufregen, verspricht schließlich die Bäckerei nicht mehr mit „Brötchen frisch aus dem Ofen“ zu werben, sondern mit „stündlich frischen Waren“. Man ist ja Geschäftsmensch und negative Publicity ist schlecht fürs Geschäft. Die elmi-Bäckerin weiß: „An diesem Ort sind Metamorphosen geschehen, besonders zwischen 1939 und 1945.“
Den Rest des Abends loben sich Förderkreis und Gewerbetreibende gegenseitig, dass sie das Topf & Söhne-Gelände „als begehbaren historischen Ort gerettet“ haben. Das sei nur mit dem Herrn Golla als Investor und den ganzen Einkaufsmärkten gegangen. Das Verwaltungsgebäude aus dem Gelände durch die Stadt herauszukaufen wäre unmöglich gewesen. Dafür hätte es kein Geld gegeben. Muss ja stimmen, schreibt ja heute auch die Thüringer Allgemeine Zeitung. Geld gibt es heute um Annegret Schüle zu bezahlen und Geld gab es damals – nämlich 1,2 Millionen Euro – um das Besetzte Haus zu räumen. Und nun gibt es bald, so Schüle, inmitten der Gewerbeansiedlung die „historischen Bilder in der richtigen Blickachse.“ Eine hervorragende „private-public-partnership!“

Film: Das Millionenspiel


Heute mal ein Tipp für nen Film, den ich bei youtube gefunden hab, wer weiß, wie lange das noch online ist. „Das Millionenspiel“ ist ein WDR-Film aus dem Jahr 1970, der einen Skandal auslöste. Im Stile einer Reality-Show wird von Dieter Thomas Heck alias Thilo Uhlenhorst präsentiert, wie der Kandidat Bernhard Lotz von der nach ihrem Chef Köhler (sehr witzig, dass der ausgerechnet von Dieter Hallervorden gespielt wird) benannten dreiköpfigen „Köhler-Bande“ gejagt wird. Schaffen sie es, Lotz zu töten, bekommen sie eine Belohnung, überlebt Lotz bekommt er eine Million DM. Damals noch viel mehr wert als heute. Das ganze wird ständog von sexualisierten Werbespots des fiktiven „Stabilelite“-Konzerns unterbrochen.
Viele Zuschauer_innen hielten die Show für echt und einige sollen sich beim Sender als Kandidat_in oder als Auftragskiller_in beworben haben.